ANDREAS RESCH

PARANORMOLOGIE

DIE WELT DES AUSSERGEWÖHNLICHEN

Ein Überblick


Seit Beginn der Menschheitsgeschichte werden wir mit Vorstellungen konfrontiert, die sich mit der Welt des Außergewóhnlichen und der Welt des UnerkIärbaren befassen. Der tiefste Grund dieser Vorstellungen liegt in den Fragen nach Lebenssinn und Fortleben nach dem Tode. So sehr sich die Wissenschaft auch bemühte und immer noch bemüht, diese vielschichtigen Fragen nach dem Paranormalen in den Bereich der Mythologie abzuschieben oder als Fabeleien abzutun, bleibt ihre Wirkkraft ungebrochen und erreicht zur Zeit, wo Wissenschaft und Technik nach dem Scheitern der Aufklärung die Sinnfrage auszuklammern suchen, einen Auftrieb, der alle Bereiche der Gesellschaft erfasst. Dabei stehen nach wie vor folgende Fragen im Mittelpunkt des Interesses:

- Ist außer der grobstofflíchen Welt und der Welt des Geistes noch ein
  Zwischenreich anzunehmen, die Welt des   Feinstofflichen, ein corpus subtile ?

- Gibt es eine Fernwírkung, eine actio in dístans ?

- Was sind im Letzten Raum, Zeit, Materie und Geíst ?

- Gibt es eín Jenseits ?

- Gibt es ein Hereinwirken Jenseitiger ?

- Gibt es Erkenntniswege, die außerhalb der Sinneserfahrung liegen ?

- Gíbt es einen materiefreien Geist ?

- Kann die Wissenschaft etwas über das Fortleben nach dem Tode sagen ?


I. PARANORMOLOGIE

Es war daher geradezu ein Presseereignis, als ich 1969 an die Accademia Alfonsiana, Päpstliche Lateranuniversität, nach Rom berufen wurde, um Vorlesungen über klinische Psychologie und den Thernenbereich von Esoterik, Okkultismus, Parapsychologie, Spiritismus usw. zu halten. Ich selbst stand dabei vor dem großen Problem, einen Begriff zu finden, der diesen Gesamtbereich abzudecken vermag, ohne dabei schon eine Deutung zu enthalten, ist doch in den meisten Fällen selbst die Sicherung der Echtheit der Phänomene noch offen. Als Ausweg bediente ich mich zunächst der allgemeinen lateinischen Formulierung: Introductio in scientiam phaenomenum paranormalium (Einführung in die Wissenschaft der paranormalen Phänomene). Diese Formulierung fasste ich schließlich in den Begriff Paranormologie zusammen, der ganz neutral die "Wissenschaft der paranormalen Phänomene" bezeichnet.

1. Begriff

Der Begriff Paranormologie ist frei von jeder Fachbeschränkung, jeder Ausgangshypothese, jeder Deutungsrichtung, und eignet sich daher als Bezeichnung des wissenschaftlichen Bemühens um den Gesamtbereich des Paranormalen, einschließlich der wissenschaftlichen Bemühungen der diesbezüglichen interdisziplinären Betrachtungen und der Parapsychologie. Gerade im Bereich des Paranormalen hat der Grundsatz zu gelten: "Das Phänomen hat die Wissenschaft zu bestimmen und nicht die Wissenschaft das Phänomen."

Diese offene Grundeinstellung erlaubt nicht nur einen umfassenden Überblick über den Gesamtbereich des Paranormalen, sondern gestattet aus phänomenologischer Sicht auch eine grundsätzliche Strukturierung der Paranormologie.


2. Physis Bios Psyche Pneuma

Eine eingehende geschichtliche Analyse der verschiedenen Anschauungsformen von Welt und Mensch sowie der einschlägigen empirischen Forschung macht deutlich, dass in Welt und Mensch vier Wirkqualitäten von grundsätzlicher Bedeutung sind.

Physis oder die materielle Natur ganz allgemein

Bios oder der lebende Organismus

Psyche oder die Fähigkeit zu Empfinden und Fühlen

Pneuma oder die geistige Fähigkeit der Bildung von Allgemeinbegriffen, der Reflexion, der Intuition, der Weisheit und der Kreativität.


3. Paranormale Phänome

Die Erforschung der Eigenart dieser vier Wirkqualitäten erfordert auch die Analyse der Grenzphänomene, die sich in den Grenzbereichen von Physis, Bios, Psyche und Pneuma, von Immanenz und Transzendenz, von Beweis und Lebenserfahrung, von Gesetzmäßigkeit und Spontaneitätereignen.

Nach der Gesetzmäßigkeit der Funktionsabläufe und -strukturen unterscheidet man normale und paranormale Grenzphänomene.

Als normalgelten jene Grenzphänomene, deren Verlaufsstrukturen den bekannten Naturprozessen bzw. den anerkannten Vorstellungsmustern entsprechen.

Als paranormal sind hingegen jene Grenzphänomene zu bezeichnen, deren Verlaufsstrukturen von den bekannten Naturprozessen bzw. den anerkannten Vorstellungsmustern der Deutung von Welt und Mensch abweichen oder abzuweichen scheinen. Mit diesen Phänomenen befasst sich die Paranormologie. Sie ist darum bemüht, die genannten paranormalen Phänomene zu beschreiben, ihre Echtheit zu überprüfen, ihr Abweichen von den bekannten und anerkannten Gesetzmäßigkeiten aufzudecken und nach möglichen Gesetzmäßigkeiten und

  4. Strukturierung

Da also im Bereich der paranormalen Phänomene die Ursachen zunächst noch offen sind, kann eine Gliederung der einzelnen Phänomene nur nach phänomenologischen Gesichtspunkten erfolgen, d. h. nach den dominierenden äußeren Aspekten.

Von diesem Gesichtspunkt aus bietet sich folgende Strukturierung des gesamten Gebietes der Paranormologie in die Sachgebiete Paraphysik, Parabiologie, Parapsychologie und Parapneumatologie an.

Bei der Zuweisung der einzelnen Phänomene zu einem der genannten Sachgebiete, die ihrerseits eine Reihe von Strukturen aufweisen, muss stets bedacht werden, dass es zur Eigenart der Grenzphänomene, insbesondere der paranormalen Phänomene, gehört, über ein Sachgebiet hinauszureichen und zuweilen alle genannten Sachgebiete zu involvieren. So sind auch in der vorliegenden Gliederung einige Begriffe mehrfach angeführt.

 

Paranormologie - Geschichte - Paraphysik - Parabiologie - Parapsychologie - Parapneumatologie - Tabellen

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch