Cypher-Manuscript

Cypher-Manuscript, in Geheimschrift abgefasstes 60-seitiges Manuskript, das William Wynn > Westcott 1887 entdeckt haben will. Zusammen mit seinem Freund Samuel L. MacGregor > Mathers entzifferte er darin fünf fragmentarische in Englisch abgefasste Rituale. Unter den Manuskriptseiten fand sich angeblich auch ein Papier mit Namen und Anschrift einer gewissen Anna Sprengel mit dem Ordensnamen Soror SDS (lat. Sapiens Dominabitur Astris, „Der Weise wird von den Sternen geleitet“). Sie soll eine hohe Eingeweihte in der deutschen Rosenkreuzergesellschaft > Goldene Dämmerung gewesen sein und in Ulm gelebt haben. Westcott trat angeblich mit „Fräulein Sprengel“ in briefliche Verbindung. Diese soll ihm den Auftrag erteilt haben, eine englische Niederlassung der Gesellschaft zu gründen, den > Golden Dawn. Eine Untersuchung des Textes ergab, dass die Entstehungszeit vermutlich um 1870 anzusiedeln war, weil das Buch Dogme et Rituel de la Haute Magie (1856) von Éliphas > Lévi verwendet wurde.
Alle Nachforschungen bezüglich Anna Sprengel blieben erfolglos, sodass man heute der Meinung ist, Westcott habe die ganze Geschichte bloß erfunden.

Lit.: Werner, Helmut: Lexikon der Esoterik. Wiesbaden: Fourier, 1991; Das neue Lexikon der Esoterik. Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2005.


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3