Cynewulf

Cynewulf, Cynulf, Kynewulf (ca. 750–825), altenglischer christlich-religiöser Dichter wohl geistlichen Standes, der im englischen Königreich Northumbria oder Mercia lebte. Obwohl von ihm sonst so gut wie nichts bekannt ist, können ihm durch die im Text eingearbeitete Runensignatur vier altenglische Dichtungen zugeschrieben werden. Juliana behandelt das Martyrium einer Heiligen. Elene erzählt die Kreuzauffindung und ist künstlerisch höher. Christ befasst sich mit Geburt, Himmelfahrt und Wiederkunft Christi und enthält eine „heidnisch-germanische Weltuntergangsvision“. Zwei Zeilen aus diesem Gedicht regten den englischen Schriftsteller J. R. R. Tolkien zu Beginn des 20. Jh. an, seine Mittelerde-Mythologie zu schreiben. In Fata apostolorum werden katalogartig die Schicksale der 12 Apostel dargestellt.
Der Inhalt der Werke zeugt von einem theologisch gebildeten Dichter.   

W.: The Dream of the Rood. Oxford: Clarendon Press, 1905; Elene. Mit Einleitung, Glossar, Anmerkungen und der lateinischen Quelle. Heidelberg: Winter: 1910; The Christ. Hamden: Shoe String Pr., 1964; Andreas; and, The Fates of the Apostles. Ann Arbor, Mich.: University Microfilms, 1982; Juliana. Exeter: University of Exeter Press, 1993.

Lit.: Ramhorst, Friedrich Wilhelm: Das altenglische Gedicht vom Heiligen Andreas und der Dichter Cynewulf. Untersuchungen. Leipzig, 1886.


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3