Cuvier Georges Léopold Chrétien Frédéric, Dagobert, Baron de

Cuvier Georges Léopold Chrétien Frédéric Dagobert, Baron de (* 23.08.1769 Mömpelgard; † 13.05.1832 Paris), französischer Naturwissenschaftler und wissenschaftlicher Begründer der Paläontologie.
C. war der Sohn eines ehemaligen Leutnants eines Schweizerregiments. Schon als Kind las er das Gesamtwerk des französischen Naturforschers Georges-Louis Leclerc de Buffon und legte mit 12 Jahren seine erste naturkundliche Sammlung an. Von 1784–1788 studierte er an der Karlsschule in Stuttgart und lernte von Carl Friedrich Kielmeyer das Sezieren. 1787 wurde er zum Chevalier ernannt, wodurch er Zugang zur gehobenen Gesellschaft erhielt. 1795 wurde er an das Muséum National d'Histoire Naturelle von Paris berufen und Mitglied des neu gegründeten Institut de France. 1800 wurde er Professor der Zoologie, 1803 Sekretär der Physikalischen Wissenschaften am Collège de France.
1804 heiratete er die Witwe Davaucelle, die vier Kinder mit in die Ehe brachte und mit der er weitere vier Kinder hatte.
Am 17. April 1806 erfolgte die Aufnahme in die Royal Society; im Auftrag Napoleons reorganisierte er die akademischen Institute in Italien, den Niederlanden und in Süddeutschland; 1811 wurde er für seine Verdienste  mit dem Orden Chevalier de la Légion d’Honneur ausgezeichnet; 1814 erfolgte die Ernennung zum Conseil d'État und kurz vor seinem Tod stieg er bis zum Pair von Frankreich auf.
C. ist unter den 72 Namen hervorragender Personen auf dem Eiffelturm aufgeführt.
In seiner wissenschaftlichen Tätigkeit untersuchte er die Anatomie der verschiedenen Lebewesen. So beschäftigte er sich von 1803 an mit der Gliederung der Mollusken, mit der vergleichenden Anatomie und der Arteneinteilung der Fische sowie mit den Fossilien von Reptilien und Säugetieren.
In seinem vierbändigen Werk Le règne animal distribué d’apres son organisation (1817) teilte er das Tierreich in Wirbeltiere (Vertebrata), Weichtiere (Mollusca), Strahlentiere (Radiata) und Gliedertiere (Articulata) ein. Seine Untersuchungen führten zum Nachweis, dass Lebewesen (ganze Arten) aussterben können. Diese Erkenntnis machte ihn zum bekanntesten Verfechter des > Katastrophismus, dem zufolge in der Erdgeschichte durch große Katastrophen wiederholt ein Großteil der Lebewesen vernichtet wird und in den darauffolgenden Phasen aus dem verbliebenen Arten neues Leben entsteht.
Auch das Schulwesen und die protestantische Kirche in Frankreich verdanken ihm außerordentlich viel.

W. (Auswahl): Reptilien, Fische, Weichthiere, Ringelwürmer. Stuttgart: Cotta, 1822; Das Tierreich, geordnet nach seiner Organisation. Leipzig: Brockhaus, 1831–1836.


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3