Curare

Curare, auch Urari, Uvari, Ourari, Wurali, Woorari (indian., „wohin es kommt, der fällt“), Sammelbezeichnung für mehrere von den südamerikanischen Indianern benutzten Pfeilgifte. Das Gift (Extractum Toxiferum americanum) wird aus der Rinde zahlreicher Strychnos- und Menispermaceen-/Chondodendron-Arten hergestellt. Es handelt sich dabei um einen eingedickten schwarzbraunen, in Wasser größtenteils löslichen Extrakt aus den Rinden (evtl. auch Blättern) und Wurzeln der südamerikanischen Lianen. Die Herstellung ist bis heute noch nicht genau bekannt, da wahrscheinlich auch Extrakte anderer Giftpflanzen herangezogen werden. Die Zusammensetzung des Roh-C. ist außerordentlich variierend und erfährt folgende Einteilung: 1. Tubocurare, hauptsächlich aus Chondodendron-Pflanzen mit der Hauptkomponente Tubocurarin, das als Chlorid zur Muskelentspannung bei chirurgischen Eingriffen sowie bei Elektroschock und Tetanus verwendet wird. 2. Calebassencurare aus Strychnos-Pflanzen, das 20-mal giftiger ist als Tubocurarin.
C. wirkt nur, wenn es direkt ins Blut gelangt, lähmend auf die Muskulatur, nicht aber über den Magen. Der Tod erfolgt durch Lähmung des Atemzentrums. Das Fleisch durch C. erlegter Tiere ist genießbar, da die orale Aufnahme beim Menschen keine Wirkung zeigt.
Nach Europa kam C. Ende des 16. Jahrhunderts unter dem Namen Ourari durch Sir Walter Raleigh, den Begründer der ersten Seefahrerkolonie in Nordamerika, während die erste ausführliche Beschreibung des Pfeilgiftes durch einen österreichischen Pater auf das Jahr 1746 zurückgeht (Otto, 143), also 40 Jahre vor Alexander von Humboldt. Mit dem Gift wird die äußere Spitze sowohl der Wurflanzen als auch der kleinen Pfeile bestrichen. Wenn das Gift auch nur einen Blutstropfen trifft, ist das Wild erlegt. Es fällt in Ohnmacht, unmittelbar darauf tritt der Tod ein.
Bei der Herstellung von C. wird dieses nicht einfach gekocht, sondern es bedarf dazu genau vorgeschriebener Töpfe und des richtigen Holzes. Auch die Speisen des Medizinmannes, seine Getränke und die Menschen, die er ansieht oder die ihn während des Rituals beobachten, wirken sich auf das Pfeilgift aus. Zudem muss er sich Tage zuvor von seinem Haus und seiner Familie fernhalten. Jeder Verstoß gegen gewisse Vorschriften machen sein C. unwirksam.

Lit.: Otto, Theo: Der magische Pfeil: Magie und Medizin. Zürich; Freiburg i. Br.: Atlantis Verlag, 1979; Hunnius. Pharmazeutisches Wörterbuch. Berlin: Walter de Gruyter, 1993; Almbauer, Gerhard: Curare. Hohenems: Bucher GmbH & Co. Druck Verlag Netzwerk, 2010.


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3