Crowley, Aleister

Crowley, Aleister, eigentlich Edward Alexander C. (*12.10.1875 Leamington; † 1.12.1947 Hastings, England), Dichter, Sektengründer und einer der berühmtesten und berüchtigtsten Okkultisten des 20. Jahrhunderts.
C. war der Sohn eines Bierbrauers, der in seiner freien Zeit als Wanderprediger für die strenggläubigen Plymouth-Brethren, einer von den Lehren E. > Swedenborgs beeinflussten evangelikalen Erweckungsbewegung, unterwegs war. Seine Mutter versuchte nach dem frühen Tod des Vaters (1886) aus ihm einen religiösen Musterknaben zu machen. Nach seiner Autobiografie, The Confessions of Aleister Crowley, sei sie eine hirnlose Bigotte des unmenschlichen Typs gewesen, die ihn wegen seines flegelhaften Verhaltens als Tier (beast) beschimpfte. Daraus erwuchs seine lebenslange heftige Abneigung gegen das Christentum und gegen jede Art der Bevormundung.
Von 1896 bis 1897 begann er sich für > Mystik, > Magie und >
Alchemie zu interessieren und studierte in Malvern, Tonbridge und von 1894–97 am Trinity College in Cambridge, das er ohne Abschluss verließ. In dieser Zeit scheint er seine fantasiereichen Einstellungen zu allen Tabus der Sexualität erworben und sexualmagische Riten entwickelt zu haben. 1898 verfasste C. Aceldama, sein erstes Buch mit Gedichten, und am 18. November wurde er in den Golden Dawn, den „Orden von der Goldenen Dämmerung“, aufgenommen, wo er im Dezember den Grad des Zelators erhielt. Sein magischer Name war Perdurabo ("ich werde durchhalten"). Im Januar 1899 wurde C. Theoreticus, im Februar  Practicus, im Mai Philosophus und am 16. Januar 1900 Adeptus Minor. Sein magisches Motto war nun Parzival.
Auf der Suche nach Erleuchtung und Abenteuern unternahm er Reisen nach New York, Mexiko, Frankreich, Italien, China und Indien, wo er Allan > Bennett (später Mönch in Sri Lanka als Bhikku Ananda Metteya), einem Lehrer von Format, begegnete. Mit anderen bestieg er den K2.
1903 mietete C. in Boleskine, Schottland, in der Nähe von Loch Ness, ein Haus und begann mit der Anrufung nach der Magie des > Abramelin, unterbrochen durch die Heirat mit Rose Kelly. Mit ihr reiste er 1904 nach Sri Lanka und erlebte auf dem Rückweg in Ägypten angeblich eine höhere Offenbarung des Thelema Gesetzes „Tu, was du willst“. Bei einer magischen Anrufung meldete sich durch seine damalige Frau Kelly „Horus“, den sie kurz darauf auf dem Ausstellungsstück „666“ des Ägyptischen Museums mit „Ra-Hoor-Khuit“ identifizierte. Nach einer Meditationsübung auf Anweisung seiner Frau schrieb C. vom 8. bis 10. April nach dem Diktat eines gewissen „Aiwass“ das Liber Al vel Legis. Dieses steht auch in Zusammenhang mit der Stele, die er im ägyptischen Museum sah und die er fortan als the Stele of Revealing bezeichnete. Bis 1907 übersetzte C. die Collected Works von Samuel L. MacGregor > Mathers.
1905 machte er eine Expedition zum Kanchenjunga und 1906 eine Reise nach China, rief Augoeides an und beendete die Abramelin-Arbeit. Seine erste Tochter Lilith starb.
1807 veröffentliche C. Konx om Pax und gründete den Orden > Astrum Argenteum mit ägyptischen Ritualen zur Ausbildung von Propheten. 1909 ließ er sich von Kelly scheiden und veröffentliche bis 1913 The Equinox. Er wurde Adeptus Exemptus und führte vom 23. November bis 19. Dezember Anrufungen nach dem Enochischen System in Nordafrika durch.
Von 1909 bis 1910 veröffentlichte C. die Holy Books. 1910 kam er zum ersten Mal mit Meskalin in Berührung und veranstaltete eine Reihe öffentlicher Auftritte, deren Teilnehmer das Halluzinogen einnahmen und angeblich in religiöse Ekstasen verfielen. C. nannte sich von nun an das „Große Tier“.
1912 wurde er Oberhaupt des englischen O.T.O. (> Ordo Templis Orientis), in den er vermutlich um 1906 von Theodor > Reuß initiiert wurde. 1913 veröffentlichte er The Book of Lies und 1914 setzte er sich wegen des Ersten Weltkrieges in die USA ab, wo er Tochtergesellschaften des O.T.O aufbaute, zumal er sich als Haupt des ganzen Ordens fühlte. Nach dem Krieg gründete C. mit einigen Frauen in Fontainebleau bei Paris die > Abtei Thelema, zog aber 1920 nach > Cefalu in Sizilien. Durch die Machtergreifung der Faschisten wurde er zur persona non grata erklärt und 1923 des Landes verwiesen. Er reiste nach Tunis und dann nach Deutschland, um dort einen Zweig seiner Bewegung zu gründen. 1924/25 ließ er sich in Waida/Thüringen von einigen Anhängern zum „Weltenheiland“ ausrufen. Die Ermächtigung dazu habe er von einer höheren Intelligenz der mentalen weißen Bruderschaft erhalten. Einige zogen jedoch die Unterschrift zurück.
1925 wurde C. internationales Oberhaupt des O.T.O. und 1927 gründete er die Thelema Verlagsgesellschaft. 1929 wurde er aus Frankreich ausgewiesen und heiratete in Deutschland Maria Teresa de Miramar. 1930 erschienen die ersten Bände der Confessiones, 1937 The Equinox of the Gods, 1938 Mathers’ Kabbalah Unveiled, 1939 Eight Lectures on Yoga und 1944 The Book of Thoth.
Die letzten Lebensjahre von C. zeigten deutlich die Früchte seines bisherigen Lebens. Er lebte von seinem okkulten Nimbus und seinen Veröffentlichungen, erlag aber zusehends den auf Drogengenuss zurückgehenden Zersetzungserscheinungen seiner Persönlichkeit. Er befand sich ständig in Geldnot und konnte die von ihm gerufenen Kleingeister seiner Schüler und Möchtegern-Kopisten nicht mehr bändigen. Er publizierte Schriften und Rituale, doch fand sich eine erhebliche Zahl seiner Arbeiten noch ungedruckt in seinem Nachlass.
Bei seiner Beerdigung sangen einige seiner Anhänger ihm zu Ehren und setzten ihn mit > Pan, dem gehörnten Gott der Griechen, gleich. Dieser Ruf klingt bis heute in schwarzmagischen und esoterischen Kreisen nach, vor allem sein Tarot-Karten-Set findet weiterhin Anklang. Bei aller Ausschweifung und phantasievollen Lebensgestaltung nach dem Gesetz „Tu, was du willst“ ist das Ausmaß seiner vielfältigen Tätigkeiten beachtlich.

W. (Auswahl): Die Botschaft des Meisters Therion. Leipzig: Thelema-Verlags-Ges., [1928]; Wissenschaft und Buddhismus. Leipzig: Thelema-Verlags-Ges., [1928]; Hymne an Pan. [Stein/AR]: [Psychosophische Gesellschaft in d. Schweiz], 1954;  Ecclesiae gnosticae catholicae canon missae. Zürich: Genossenschaft Psychosophia, 1955; Die drei Schulen der Magie. Zürich/Schweiz: Genossenschaft Psychosophia, 1956; Acht Vorlesungen über Yoga. Zürich: Verl. Psychosoph. Gesellschaft, [1965]; Astrologick. Basel: Sphinx-Verlag, 1976; Aleister Crowley's magische Rituale. Berlin: Schikowski, 1980; Das Buch des Gesetzes. Basel: Sphinx-Verlag, 1981; Das Buch Thoth. Waakirchen: Urania-Verl., 1981; Liber Al vel legis. Clenze: „Stein der Weisen“, 1985;. Tagebuch eines Drogenabhängigen. Berlin: A-Verbal-Verl.-GmbH, 1990;  Die Bekenntnisse des Aleister Crowley ; Bd. 1 und 2.  Bergen-Dumme: LinkSchulze (1992). 

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3