Crommyomancie, Krommyomantie

Crommyomancie, Krommyomantie (griech. krommyon, Zwiebel; mantike, Weissagung), Zwiebelweissagung.
Diese Form der Weissagung ist sehr alt, hat die > Zwiebel doch den Ruf, schlechte Substanzen aufzunehmen, wenn man sie an die Decke von Krankenzimmern hängt. Wird sie nach wenigen Tagen schwarz, hat sie die Krankheitsstoffe aufgenommen, bleibt sie weiß, lehnt sie diese ab.
Wollte man im antiken Rom eine Nachricht über das Befinden einer Person erhalten, legte man in ihrem Zimmer drei Zwiebeln auf ein feuchtes Tuch, und zwar jene in die Mitte, welche die betreffende Person bezeichnete. Keimte diese Zwiebel zuerst, schloss man auf Wohlbefinden, trieb sie am zweiten Tag, besagte dies Krankheit, setzte sie als letzte an, bedeutete dies Todesgefahr oder gar den Tod.
Im deutschen Sprachraum war der Zwiebelkalender sehr verbreitet. In der Christ- oder Silvesternacht höhlte man zwölf Zwiebelhälften aus, beschrieb jedes dieser Zwiebelschälchen mit dem Namen eines Monats, versah es mit einer Prise Salz und stellte es vor das Fenster. Bereits am nächsten Morgen lieferte die in der Schalenwanne angesammelte Flüssigkeit Anzeichen für die Regenmenge im betreffenden Monat. Schwappte der Zwiebelsaft über den Rand, so hatte man in besagtem Monat eventuell sogar mit Hochwasser zu rechnen.
Für das Erkennen der richtigen Losnummer lege man eine Zwiebel bei Vollmond zuerst in Wasser, dann in die Erde und ziehe sie nach neun Tagen wieder heraus. Mit etwas Glück und Phantasie könne man in den Verschlingungen der Knolle Zahlen erblicken.
Nach einer im Mittelalter beliebten Heiratsweissagung soll man an Weihnachten in die vier Ecken der Stube je eine Zwiebel legen und jede Zwiebel durch Zettel oder Aufschrift einem Wunschkandidaten zuordnen. Zu Dreikönig sieht man nach, welche Zwiebel ausgetrieben hat und wer sich damit in den Vordergrund drängt. Als besonders schlechtes Omen gilt, wenn sich bei keiner Zwiebel etwas tut.
Und schließlich, träumt jemand, er werde mit Zwiebeln gekrönt. Dann stehe etwas wirklich Interessantes bevor.

Lit.: Johannes ab Indagine: Periaxiomata, de faciebus signorum. Argent, 1534; Schrödter, Willy: Pflanzen-Geheimnisse. Warpke-Billerbeck (Hann.): Baumgartner-Verlag, 1957.

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3