Croll(ius), Oswald

Croll(ius), Oswald (* um 1560 Wetter bei Marburg; † 1609 Prag (?)), Arzt und Alchemist.
C. studierte nach dem Besuch der Stiftschule in Wetter ab 1576 Medizin in Marburg, anschließend in Straßburg, Genf und Heidelberg. Sein Doktorat erhielt er 1582, Ort der Promotion und Inhalt der Dissertation sind nicht bekannt.
Nach einer Hofmeisterstelle bei einer französischen Adelsfamilie reiste er ab 1593 durch Polen, Schlesien, Ungarn und Böhmen und eröffnete 1597 eine Praxis in Prag, wo er, mit kurzer Unterbrechung, bis zu seinem Tode blieb.
Nach einer sensationellen Heilung des Fürsten Christian I. von Anhalt-Bernburg wurde er 1598 auf Vorschlag von Fürst Ursinus Rosenberg als dessen Leibarzt angestellt. Auch Kaiser Rudolf II. ließ sich von ihm behandeln.
In seinen alchemistischen Studien  folgte C. den Werken des > Paracelsus. Von diesem übernahm er die Theorie des > Tartarus als ubiquitäre Krankheitsursache und die Vorstellung vom >
Archäus als Wirkprinzip der Trennung des Reinen vom Unreinen.
1609 erschien sein großes Werk Basilica chymica, in dem er die oft unklaren paracelsischen Vorschriften durch genaue Arbeitsanweisungen ersetzte, die er durch kritische Methoden und eigene Experimente erprobt hatte. In diesem Werk geht es ausschließlich um alchemistisch-chemische Rezepte.  Im gleichen Jahr erschien auch seine Abhandlung De signaturis internis rerum (Von den inneren Signaturen der Dinge). In dieser Signaturenlehre formulierte er unter Einfluss des neapolitanischen Arztes und Alchemisten Giambattista > Della Porta äußere Merkmale von Pflanzen oder Mineralien, die Ähnlichkeiten mit der Form menschlicher Organe oder Körperteile aufweisen. Sie bildet eine eigenständige Alternative zur galenischen > Humoralpathologie.
Als angesehener Arzt und Wissenschaftler vermochte C. der umstrittenen > Chemiatrie akademische Geltung zu verschaffen.

W.: Osualdi Crollii veterani Hassi Basilica chymica: continens philosophicam propria[m] laborum experientia[m] confirmatam descriptionem et usum remediorum chymicorum selectissimorum é lumine gratiae et naturae desumptorum: in fine libri additus est autoris ejusdem tractatus nouus de signaturis rerum internis / Croll, Oswald. [Frankfurt?: Godefrid Tampachius?, 1609; dt. Übersetzung: Basilica Chymica oder Alchymistisch Königlich Kleynod, Frankfurt 1623.
De signaturis internis rerum. Die lateinische editio princeps (1609) und die deutsche Erstübersetzung (1623), hrsg. v. Wilhelm Kühlmann u. Joachim Telle. Stuttgart: Steiner, 1996.

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3