Crimen exceptum

Crimen exceptum (lat., Sonderverbrechen), außerordentliches Verbrechen. Dazu zählte man Majestätsbeleidigung, Hochverrat, > Hexerei, Falschmünzerei, Straßen- und Seeraub, > Teufelspakt, > Schadenzauber, > Ketzerei, Blasphemie, Sodomie usw. Mit dem C. besaßen nicht zuletzt fanatische Hexenverfolger ein wirkungsvolles Argument, trotz Fehlens der üblichen Indizien Inhaftierung und Folter durchzusetzen.
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Carpzov der Jüngere nennt in seiner Practica nova (auch als „protestantischer Hexenhammer“ bezeichnet) das Delikt der Hexerei ein crimen exceptum, bei dem bereits der Verdacht ausreicht, um die Folter anzuwenden. Als Argument führt er Stellen aus dem AT (Ex 22,18), aus der klassischen Literatur (Tacitus: Annalen lib. II; Platon: De legibus II),  aus der Praxis des Zivilrechts und neuere Autoren, auch katholische, wie z. B. > Bodin, > Delrio, > Remy sowie die Autoren des > Hexenhammers an. Die Lehre vom C. blieb zwar bis ins 18. Jh. vorherrschend, unangefochten war sie jedoch nicht, insbesondere von Justus Oldekop, dem Gegenspieler Carpzovs.

Lit.: Carpzov, Benedict: Practicae Novae Imperialis Saxonicae Rerum Criminalium Pars. Wittebergae: Schurerus Wittebergae: Müllerus, 1635; Oldekop, Justus: Observationes criminales practicæ congestæ ... Cum Appendice. ... Accessit N. Brandi de legitima Maleficos et Sagas investigandi ... ratione, et H. a Dassel Responsum Juris in causa pœnali Maleficarum Winsiensium. Francofurti ad Oderam, 1685.

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3