Creuzer, Georg Friedrich

Creuzer, Georg Friedrich (* 10.03.1771 Marburg; † 16.02.1858 Heidelberg) deutscher Philologe.
C. war der Sohn eines Buchbinders, studierte in Marburg und Jena und ging dann als Privatlehrer nach Leipzig. 1802 wurde er Professor für klassische Philologie in Marburg und zwei Jahre später in Heidelberg, wo er fast 45 Jahre unterrichtete, mit Ausnahme einer kurzen Lehrtätigkeit an der Universität Leiden. C. war persönlich mit Goethe und Clemens >
Brentano befreundet. 1804 heiratete  er Karoline von Günderrode, die er dann abrupt wieder verließ, woraufhin sie sich 1806 das Leben nahm.
1808 begründete C. mit Carl Daub die Heidelbergischen Jahrbücher und 1810–12 erschien sein monumentales Hauptwerk Symbolik und Mythologie der alten Völker, besonders der Griechen. Die Grundidee des Werkes, wenn auch nicht völlig neu, besteht in der Annahme einer monotheistischen Urreligion, von der alle anderen Religionen abstammen. Der Mythos entstand durch die Interpretation von Symbolen (Götterbilder, Orakelzeichen) durch weise Priester für ein spracharmes Volk. Zum Symbol gehört es, unmittelbar eine anschauliche, intuitive Überzeugung zu vermitteln, im Gegensatz zum schrittweisen Vorgehen des Denkens. Dabei ist das „mystische Symbol“ durch die Intention gekennzeichnet, die Vielfalt des Unendlichen, Göttlichen vollständig zum Ausdruck zu bringen, was allerdings nur Erstaunen bewirkt. Hingegen löst  das „plastische Symbol“, verwirklicht in der griechischen Skulptur, den Konflikt zwischen dem Unendlichen und dem Endlichen, indem es im Göttersymbol die Schönheit der Form mit der Fülle des Wesens vereinigt.
Zum Stein des Anstoßes wurde vor allem seine Feststellung, dass die Mythologie von Homer und Hesiod über die Pelagianer aus östlichen Quellen stamme.
So wurde sein Symbolismus insbesondere von Gottfried Hermann und Johann Heinrich Voss heftig kritisiert, während sich etwa Hegel und Bachofen positiv anregen ließen. Ungeachtet dieser Kritik gehört C. durch sein Hauptwerk und andere einschlägige Arbeiten zu einem der bedeutendsten Symbol- und Mythenforscher der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts.

W. (Auswahl): Symbolik und Mythologie der alten Völker, besonders der Griechen. Leipzig/Darmstadt, 1810–1812.
Lit.: Hermann, Gottfried: Briefe über Homer und Hesiodus, vorzüglich über die Theogonie. Heidelberg: Oswald, 1818; Voss, Johann Heinrich: Antisymbolik. Stuttgart: Metzler, 1824.

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3