Crépin, Fleury Joseph

Crépin, Fleury Joseph (*1875 Hénin-Liétard im Departement Pas-de-Calais, Frankreich; † 1948), Klempner, Verzinker, Musiker und automatischer Maler.
Neben seinem Beruf machte C. vor allem Musik bei Festen und Spielmannszügen und leitete ein Blasorchester, mit dem er einige Preise errang. 1901 heiratete er und hatte zwei Töchter, von denen die Älteste mit 25 Jahren geisteskrank wurde und sich völlig zurückzog, was die Familie sehr belastete.
Mi 50 Jahren entdeckte C. bei der Ausstattung von Brunnen seine Fähigkeit, mit dem > Pendel Wasserläufe ausfindig zu machen und bald darauf auch Krankheiten zu diagnostizieren. Als Pendel diente ihm seine Uhr. Um 1930 trat er in Kontakt mit dem spiritistischen Kreis von Douai und betätigte sich selber als Wunderheiler. Dabei bediente er sich eines selbst angefertigten > Talismans mit Namen und speziellen Zeichen, den der Patient auf der Brust zu tragen hatte.
Als C. 1938 eines Abends wie üblich seine Noten schrieb, bewegte sich die Hand plötzlich von selbst und machte zu seiner Überraschung kleine Zeichnungen, deren Eigenart ihn beindruckte. 1939 begann er dann, ,,geführt von einer geheimnisvollen Stimme“, ein umfassendes Werk von 300 Gemälden vollautomatisch zu malen, die dem Weltkrieg ein Ende bereiten sollten. Im Mai 1945 vollendete er seine 300. Arbeit. Im November 1947 nahm er nach innerer Aufforderung eine Serie von 45 Gemälden für den Frieden in Angriff, die Tableaux Merveilleux, von denen er bis zu seinem Tod 1948 jedoch nur 43 fertigstellte.
Die Zeichnungen und dann Ölgemälde von C. zeichnen sich durch die wiederkehrenden Motive symbolischer Tempel und farbumkränzter Paläste aus, in denen sich menschliche Gestalten und Fabelwesen begegnen. Besonders eindrucksvoll sind die ausschmückenden Punkte, von denen er in einer Stunde bis zu 1500 setzen konnte.
Wie die Arbeiten von Augustin > Lesage und Victor > Simon zeigen sie höchste Präzision und Detailliebe, außerdem eine Vorliebe für Symmetrie und ornamentale Motive, die bisweilen an byzantinische oder orientalische Kunst erinnern. Das Werk von C. faszinierte seinerzeit große Künstler und Intellektuelle und beeindruckt nach wie vor durch die außerordentliche Farbenpracht und Symbolik, ganz abgesehen von der völlig spontanen Ausführung.
Dennoch ist die > Mediale Kunst heute nahezu unbekannt. Die Gründe dafür liegen nicht nur in der Seltenheit ihres Vorkommens, sondern auch in der Ablehnung ihres ideologischen Hintergrundes. Sofern man sich nämlich damit befasst, geschieht dies meistens in Zusammenhang mit der > Kunst der Geisteskranken.

Lit.: Breton, André: Le message automatique. Minotaure 3-4 (1933);  Bender, Hans: Psychische Automatismen. Leipzig: J. A. Barth, 1936; Giovetti, Paola: Arte medianica. Rom: Edizioni Mediterranee, 1982.

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3