Crawford, William Jackson

Crawford, William Jackson (*1881 Neuseeland; † 30.07.1920 Belfast, Irland), Naturwissenschaftler, Ingenieur und Parapsychologe.
C. promovierte in Naturwissenschaften und wurde Professor für Mechanik an der Universität Belfast. 1916 überraschte er die parapsychologische Fachwelt mit der Veröffentlichung des Buches The Reality of Psychical Phenomena, in dem er über seine Experimente bei Sitzungen mit dem 16-jährigen irischen Medium Kathleen > Goligher (*27.06.1898)  berichtet, mit dem er von 1914 bis 1920 Untersuchungen durchführte. Die Teilnehmer der Sitzungen waren durchweg Familienmitglieder des Mediums: Vater, Bruder, Schwester und Schwager (der sog. Goligher-Zirkel). Die Versuchsperson war während der Sitzungen bei vollem Bewusstsein, folgte den Vorgängen mit Interesse und vergaß dabei, dass sie selbst die Hauptursache der Phänomene darstellte.
C. arbeitete mit Tonaufnahmen, Fotoapparat und Waage. In den Sitzungen habe er nicht nur eine Vielzahl von physikalischen Phänomenen wahrgenommen, > Levitation und > Ektoplasma-Produktion mit eingeschlossen, sondern auch Foto- und Tonbandaufnahmen gemacht und genaue Messungen der Gewichtsveränderungen  bei der Produktion von Phänomenen durchgeführt. Dabei stellte er fest, dass das Medium bei völliger Hebung des Tisches inmitten des Sitzungsraumes ohne körperliche Berührung regelmäßig um das Tischgewicht an Schwere zunahm. Daraus schloss er, dass zwischen dem Medium und dem Objekt gewisse Kraftlinien bestanden, die vorübergehend die Arbeit physischer Organe leisten konnten. Wenngleich unsichtbar, besitzen sie eine Widerstandfähigkeit, die messbar ist. Werden sie durchschnitten, hat das unmittelbar die Störung der mediumistischen Levitationsleistung zur Folge. Diese seltsamen Kräfte oder Strukturen, die er auch Balken oder starre Ruten nannte, nehmen im Endpunkt den höchsten Grad der Verdichtung an. Das Anpacken eines Gegenstandes erfolgt mittels eines Saugprozesses.
Um jede Störung dieses Energieflusses auszuschließen, lehnte er Kontrollexperimente durch die > Society for Psychical Research ab. Hereward >
Carrington, der zwei Sitzungen beiwohnte, sprach sich nach der ersten Sitzung für die Echtheit aus, nach der zweiten Sitzung, vier Jahre später, sprach er von Betrug durch das Medium.
Wenngleich C. mit den Sitzungsteilnehmern voll davon überzeugt war, dass die Phänomene von Geistern Verstorbener, die er „Operatoren“ nannte, bewirkt wurden, war er gleichzeitig der Meinung, dass das Substrat der mediumistischen > Materialisationen die aus dem Medium emanierende und sich verdichtende Materie sei. Aufgrund des Mangels an Gegenkontrollen werden die Berichte von C. als unbewiesen hingestellt. Doch mag man seinen Theorien auch nicht in allem zustimmen, so decken sich seine Beobachtungen doch mit vielen anderen Berichten über Erfahrungen und Phänomene bei Sensitiven. Dafür spricht nicht zuletzt das Faktum, dass die  von E. E. Fournier d’Albe nach dem Tod von Kathleen Goligher durchgeführten 20 Experimente keine Phänomene zeigten. Es fehlte das „magnetische“ Band, das die Phänomene zwischen dem Medium und C., verstärkt durch die anderen Teilnehmer, vermutlich bewirkte. So fand C. in letzter Zeit wieder mehr Beachtung.
C. nahm sich am 20. Juli 1920 das Leben, nachdem er vier Tage vorher geschrieben hatte: „Ich wurde geistig hinabgedrückt. Ich war vollkommen gesund bis vor einigen Wochen. Es war nicht die parapsychologische Arbeit. Ich war sehr glücklich damit. Ich kann mit Dank sagen, dass die Arbeit standhalten wird. Sie ist so grundsätzlich zum Ausschluss jedweder sachlichen Lücke gemacht.“

W.: The reality of psychic phenomena: raps, levitations, etc. London: Watkins, 1916; Experiments in psychical science. Levitation, “contact”, and the “direct voice”. London: Watkins, 1919; The psychic structures at the Goligher Circle. London: Watkins, 1921.
Lit.: Schrenck-Notzing, Albert Frh. v.: Physikalische Phänomene des Mediumismus: Studien zur Erforschung der telekinetischen Vorgänge. München: Ernst Reinhardt, 1920;  Fournier d’Albe, E. E.: The Goligher Circle, May to August, 1921 (Psychical Research) Experiences. London,  J. M. Watkins, 1922.

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3