Court de Gébelin, Antoine

Court de Gébelin, Antoine (* 1719 (?) Genf; † 12.05.1784 Paris), war Theologe, Pastor der Hugenotten, Mitglied der Freimaurerloge Les Amis Réunis und gilt als Vater des esoterischen > Tarots.
C. studierte Theologie, ließ sich 1754 zum Pastor der Hugenotten weihen und beschäftigte sich nebenbei mit antiken Kulturen und Sprachen, wobei er von einer Ursprache überzeugt war, auf die jede Sprache zurückzuführen sei. 1762/63 ging er nach Paris und befasste sich dort vor allem mit dem Studium von Geschichte, Sprachen, Mythen und Religionen. 1771 wurde er in die Freimaurerloge Les Amis Réunis aufgenommen und 1773 gründete er den Göttlichen Orden der Philaleten, der sich um die Wiederentdeckung alter Weisheiten und das Studium der > Kabbala bemühte.
Zwischen 1773 und 1782 veröffentlichte C. neun des auf 30 Bände angelegten Monumentalwerks Le monde primitif, analysé et comparé avec le monde moderne, das von der Französischen Akademie der Wissenschaften zweimal ausgezeichnet wurde. 1780 wurde er zum Gründer und Präsidenten der Societé Apollonienne, aus der später das Musée de Paris hervorging. 1781 erhielt er die Ernennung zum königlichen Zensor. 
Im Frühjahr 1783 erkrankte C. und wurde von dem Arzt Franz Anton > Mesmer behandelt und zum Teil geheilt, starb aber ein Jahr später. Mesmer verließ daraufhin Frankreich und starb 29 Jahre später, nahezu vergessen und unbekannt, in Deutschland.
In seinem Hauptwerk versucht C. aufzuzeigen, dass die Kenntnis der > Mythologie und Sprachwissenschaft der Schlüssel für das Verständnis der Antike sei. Im 8. Band vertritt er die Ansicht, dass das Tarot aus >
Ägypten stamme. Die alten Ägypter seien so klug gewesen, dass sie ihr Wissen in Form dieses Kartenspiels dargestellt und so über Jahrhunderte gesichert hätten.
C. kam mit dem Tarot erstmals in einem Pariser Salon in Kontakt, war von den 22 Karten der > großen Arkana sogleich fasziniert und begann sogar selbst Karten zu zeichnen, die dann im Buch Der Tarot der Zigeuner von > Papus abgebildet wurden. Den französischen Namen Tarot interpretierte er als „königlichen Weg“. Zudem war er der Meinung, dass die 22 Trumpfkarten dem hebräischen Alphabet entsprächen.
Wenngleich seine Theorie vom ägyptischen Ursprung des Tarots heute widerlegt ist, so begründeten seine Studien jedenfalls das esoterische Interesse am Tarot, die kabbalistische Tarot-Interpretation und die Erforschung der Symbolsprache des Tarots, weshalb er auch „Vater des esoterischen Tarots“ genannt wird.

W. (Auswahl): Monde primitif, analysé et comparé avec le monde moderne. Paris: Lyon, 1773–1782.
Lit.: Le Tarot [Texte imprimé]. Paris: Berg cop. 1983;  Körbel, Thomas: Hermeneutik der Esoterik: eine Phänomenologie des Kartenspiels Tarot als Beitrag zum Verständnis von Parareligiosität. Münster: LIT, 2001.

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3