Coué, Emile

Coué, Emile (*26.02.1857 Troyes, Frankreich; † 2.07.1926 Nancy), französischer Apotheker, Hypnotiseur und Begründer der Autosuggestionstherapie.
C. erwarb am Lyzeum von Troyes zwei Bakkalaureate, jenes der Wissenschaften und das der Literatur. Da er sich aus finanziellen Gründen kein höheres Studium leisten konnte, studierte er Pharmazie in Paris, um Apotheker zu werden. 1882 übernahm C. in Troyes eine Apotheke und begann drei Jahre später mit dem Studium der Psychologie, wobei er sich mit Interesse den Arbeiten von Dr. Liébeault zuwandte und sich nach dessen Vorbild (Alte Schule von Nancy) der > Hypnose bediente, bis er zur Erkenntnis kam, dass jede wirksame Suggestion sich in >
Autosuggestion verwandelt haben muss. C. wandelte daher die Hypnose zu einer Autosuggestionstherapie um und prägte dabei den Lehrsatz: „Nicht der Wille ist der Antrieb unseres Handelns, sondern die Vorstellungskraft.“ Jeder Mensch könne sich selber hypnotisieren und Heilung von Krankheiten erfolge durch > Selbstsuggestion.
Ab 1912 beeindruckte in Vorträgen insbesondere folgender Satz: „Mir geht es von Tag zu Tag in jeder Beziehung besser und besser.“ Seine Heilerfolge ließen die Welt aufhorchen. So kam es, dass C. nicht nur in Frankreich, sondern auch in England, in der Schweiz, in Belgien, Italien, Portugal und in den USA Vorträge hielt. Dabei wies er jeden Verdacht von besonderen Kräften zurück, da er nichts anderes wollte, als die Fähigkeit zur Selbstbeeinflussung lehren. Er stellte auch niemals eine Diagnose oder Prognose, sondern wiederholte nur stereotyp: „Wenn es in der Möglichkeit Ihrer Natur liegt, werden Sie gesund“ und: „Man grüble nie über Krankheiten, an denen man möglicherweise leiden könnte; hat man sie nicht wirklich, so ruft man sie eventuell künstlich hervor.“ Dies stand ganz im Gegensatz zu Freud und Jung, die an der Krankheit arbeiteten.
Kinder empfiehlt C. so zu heilen, dass man sich in etwa ein Meter Entfernung an das Bett des schlafenden Kindes stellt und 20-mal „leise murmelnd“ alles Wünschenswerte langsam hersagt.
Damit ist C. auch ein Vorläufer des > Positiven Denkens und des > autogenen Trainings. Der volksgesundheitliche Dienst, den die Coué-Institute leisten, darf nicht verschwiegen werden.
Wie bei allen suggestiven Verfahren muss auch bei der Methode von C., dem > Couéismus, die Anwendung bei organischen Erkrankungen mit Bedacht und unter ärztlicher Kontrolle erfolgen.
 
W. (Auswahl): Was ich sage. Basel: Schwabe, 1980; Die Selbstbemeisterung durch bewusste Autosuggestion.  Basel: Schwabe, 1980; Pierre lebt. München: Dt. Taschenbuch-Verl., 1991; Autosuggestion. Zürich: Oesch, 1997; Mentaltraining und Autosuggestion. Zürich: Oesch, 1998.
Lit.: Baudouin, Charles: Der Couéismus. Darmstadt: Otto Reichl Velag, 1926.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3