Conte du Graal

Conte du Graal, unvollendeter mystisch-religiöser Perceval-Versroman des französischen Dichters > Chrétien de Troyes (vor 1150 bis um 1190). Der Roman wurde zwischen 1179 und 1191 für den Grafenhof von Flandern verfasst. Chrétien beruft sich dabei auf ein zuvor existierendes Buch in der Bibliothek des Grafen von Flandern. Offen bleibt, ob der Gral schon vor ihm mit der Figur des Perceval und der Artussage verbunden war oder er selbst diese Verbindung herstellte. Jedenfalls waren zu seiner Zeit die sogenannten „Matière de Bretagne“, die den britannischen Sagenkreis bildeten, als > Artuslegenden bekannt. Diese waren durchwoben von Begegnungen mit dem Übernatürlichen und mit magischen und mystischen Kräften.
Gleich nach Chretién schrieb ein weiterer französischer Schriftsteller, Robert de Boron, noch vor 1191 eine Geschichte des Hl. > Gral. Dabei wird nach de Boron das erste Mal in der Literatur jener Kelch beschrieben, den Jesus beim Abendmahl verwendete.
Sonderbar ist, dass beide Autoren ihre Geschichte nach Britannien verlegen. Dies hängt nach Daniel Scavone damit zusammen, dass der Benediktinermönch > Beda der Ehrwürdige im 8. Jh. die Historia ecclesiastica gentis Anglorum verfasste. Darin ist bei Papst Eleutherius im späten zweiten Jahrhundert vermerkt: Dieser Papst erhielt von Lucio Britannico rege (von Beda als britischer König Lucius gedeutet) einen Brief mit der Bitte um Hilfe bei der Bekehrung seines Landes zum Glauben. In Wahrheit war es Lucius VIII. von Edessa (Birtha, lat. Britium), der den Glauben in seine Stadt brachte.
Was nun den Gral betrifft so hängt die Legende eng mit der Geschichte des > Grabtuches, der österlichen Auferstehungsfeier desselben in Edessa und mit der Form der Eucharistiefeier, dem > Melismos, nach der Überführung nach > Konstantinopel zusammen. Das Geheimnis des Grals liegt daher in der Konsekration der Hostie als Symbol des vom Kind in den erwachsenen und gekreuzigten Christus wandelnden Jesus.

Lit.: Scavone, Daniel: “Britsch King Lucius, the Grail, and Joseph von Arimathea: The Question of Byzantine Origins”, paper delivered at the Medieval Association of the Midwest, University of Indianapolis (2004); Chretien de Troyes: Perseval ou Le conte du Graal. Paris: Gallimard, 2010; Resch, Andreas: Der heilige Gral. Grenzgebiete der Wissenschaft 61 (2012) 2, 177–181.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3