Conselheiro, Antonio

Conselheiro, Antonio, eigentlicher Name: Antonio Vicente Mendes Maciel (*13.03.1830 Vila do Campo Maior; † 22.09.1897 Canudos, Brasilien), charismatischer Wanderprediger.
Die Kindheit von C. war getrübt durch den frühen Tod der Mutter, die Wiederverheiratung des Vaters und dessen Alkoholismus. Unterricht erhielt er von seinem Großvater, der Lehrer in Quixeramobim war und ihn in Latein, Französisch, Portugiesisch, Mathematik, Geographie und Geschichte unterwies. Nach dem Tod des Vaters 1855 übernahm C. die Sorge für die Familie. 1857 heiratete er, der Ehe entsprangen zwei Kinder. 1861 wurde er von seiner Frau jedoch hintergangen, woraufhin er in eine tiefe Depression fiel. Er arbeitete dann als Lehrer auf dem Lande und versenkte sich immer mehr in die christliche Mystik. Mit einer Künstlerin hatte er ein drittes Kind. Seine Rastlosigkeit führte ihn schließlich durch das ganze Land und machte ihn zum Pilger, Berater, Prediger und religiösen Führer.
1874 erweckten seine Predigten die Aufmerksamkeit der katholischen Kirche. 1876 wurde er von der Polizei verhaftet, misshandelt und als Krimineller nach Quixeramobim geschickt, wo man ihn jedoch freiließ. Er kehrte unverzüglich nach Bahia zurück und nahm seine Wandertätigkeit wieder auf. Im großen Katastrophenjahr 1877 half er mit seinen Anhängern die Not zu lindern, was seinen Ruf noch weiter steigerte. 1882 verbot der Erzbischof von Bahia den Priestern, ihm Zugang zu seinen Gefolgsleuten zu gewähren, und bezeichnete ihn als Apostat  und Verrückten.
Am 13. Mai 1888 wurde in Brasilien die Sklaverei abgeschafft, gegen die C. energisch angekämpft hatte. Als am 15. November 1889 wegen der daraus entstandenen Unruhen das Militär die Macht übernahm, zog sich C. zurück und gründete 1893 in der Nähe der Stadt Monte Santo in einem Gebiet namens Canudos das Dorf Bello Monte. Er stellte 12 „Apostel“ auf und errichtete ein strenges Gesellschaftssystem mit Arbeitsteilung, Eigentum, Abschaffung der zivilen Ehe und der offiziellen Währung sowie dem Verbot von Alkohol und Prostitution. 80% seiner Anhänger waren frühere Sklaven. 1895 zählte seine Gemeinde bereits 30.000 Mitglieder mit 5000 Wohnstätten. Zudem wurden zwei Kirchen und eine Schule errichtet.
Dies löste in der Umgebung erhebliche Unruhen aus und führte zu einem öffentlichen Einschreiten. C. bangte um sein Leben, betete, fastete und starb wahrscheinlich an Ruhr. Sein Kopf wurde zur forensischen Untersuchung abgetrennt, dann im Museum der Escola Bahiana de Medicina ausgestellt und bei einem Feuer 1905 schließlich ein Raub der Flammen. C.s Tod war auch der Beginn der Auflösung von Canudos.

Lit.: Graham, Robert Bontine Cunninghame: A Brazilian mystic, being the life and miracles of Antonio Conselheiro. London: William Heinemann, 1920.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3