Comte, Isidore Marie Auguste François Xavier

Comte, Isidore Marie Auguste François Xavier (* 19.01.1798 Montpellier; † 5.09.1857 Paris), französischer Mathematiker, Philosoph, Religionskritiker und Mitbegründer der Soziologie, deren Benennung auf ihn zurückgeht.
C. erhob den Positivismus zum System (Cours de philosophie positive, 6 Bde., 1830). Nach diesem System ist Religion ein überholtes Stadium der geistigen Evolution, denn der Mensch durchlaufe in seiner Entwicklung drei Stadien. In der theologischen Phase, der Kindheit,  schreibt er die Erscheinungen der Natur Wesen oder Kräften zu, die dem Menschen selbst vergleichbar sind. In der zweiten Phase beruft er sich auf abstrakte Wesenheiten wie die Natur, ist dabei zwar noch religiös bestimmt, aber durch eine verfeinerte Theologie. In der dritten Phase beschränkt sich der Mensch schließlich auf die Beobachtung der Erscheinungen und ihrer Beziehungen. Damit betritt er das positive Stadium. 1847 münden diese religionsgeschichtlichen Gedanken in die Verkündigung einer Religion der Menschheit (Religion de l’Humanité), deren Anhänger C. nahezu wie einen Heiligen verehren. Das höchste Wesen dieser Religion ist die Menschheit (le grand’etre), Grundlage die Ordnung, Prinzip die Liebe und Ziel der Fortschritt. Dieser ist getragen von der unwandelbaren Gesetzlichkeit der Wirklichkeit, die von der Wissenschaft durchgängig und vollständig erfasst werden könne. Damit übernimmt die Wissenschaft die Rolle der Religion, die zudem noch mit der Fähigkeit ausgestattet sei, durch genaue Tatsachenfeststellung sichere Voraussagen zu machen. Das Unerklärbare sei nur das noch Nicht-Erklärte.

W.: Oeuvres complètes, 12 Bde. Paris, 1968–1971.

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3