Comenius, Johann Amos

Comenius, Johann Amos, eigentlich Jan Amos Komenský (latinisiert C., *28.03.1592 Nivnice/Südmähren; † 15.11.1670 Naarden/Amsterdam), tschechischer Pädagoge und Denker in der Tradition der Pansophie, Herausgeber der berühmten Sammlung von Visionen (1657) aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, Lux in tenebris („Licht im Schatten“), welche die Visionen von Christoph > Kotter und Christina > Poniatovia enthält.
Nach dem Studium an den reformierten Universitäten von Herborn und Heidelberg kehrte C. 1616 als Priester der Böhmischen Brüder in seine Heimat zurück. Es folgten eine langjährige Tätigkeit als Gymnasialdirektor in Leszno (Polen) und ein Aufenthalt in London (1641/1642), wo er auf Einladung des deutschen Kaufmanns Samuel Hartlib 1641 seine Pansophie herausgab, zumal sich auch das englische Parlament mit seinen pädagogischen Vorschlägen befasste. Auf dem Weg nach Schweden begegnete er René > Descartes, dessen mechanistischen Ansatz er energisch bekämpfte. 1648 kehrte C. nach Polen zurück. Im gleichen Jahr wurde er zum ersten Bischof der Brüdergemeinde ernannt. 1649 heiratete er nach dem Tode seiner zweiten Frau Johanna Gajusova. Von 1652–1654 weilte C. in Ungarn und arbeitete dann in Leszno bis zur Zerstörung 1654, bei der er seine Bücher und Schriften verlor. Er flüchtete daraufhin nach Amsterdam und blieb dort bis zu seinem Tod.  
Die gesamte pädagogische Tätigkeit und Lehre von C. sind vor den Hintergrund seiner ausgeprägten Humanitätslehre zu sehen. Er gilt daher auch als Vorläufer der > Freimaurerei, nicht zuletzt wegen der von ihm benutzten Symbole. Zusammen mit Hartlib hegte er den Gedanken, eine Gemeinschaft von Menschen zu bilden, alle Kollegien, Genossenschaften und Bruderschaften zu sammeln und ein allgemeines Kollegium unter den Gebildeten der ganzen Welt zu schaffen.
Zu seinen Werken gehören Janua linguarum reserata (1632), Pansophiae prodromus (1639), Via Lucis (1642), Orbis sensualium pictus (1658) und Panegersia (1662), um nur einige der insgesamt 142 Schriften zu nennen, die z.T. erst postum erschienen sind, wie das 1642–1670 entstandene Werk De rerum humanarum emendatione consultatio catholica (Universeller Ratschlag für die Besserung der menschlichen Dinge), das den Schlussstein des komplizierten und vielfach verästelten Lebenswerkes bildet und die enzyklopädische Erkenntnis mit der Didaktik zu verknüpfen sucht. In Pansophiae prodromus  (lat., Verkündigung der Pansophie) führte er den Begriff „Pansophie“ in die philosophische Terminologie ein, den er allerdings bereits 1633 verwendete. Pansophie solle als Gegenpol zur Philosophie die Erkenntnis des Wahren mit dem Guten verbinden. Ziel der Pansophie ist die Vereinigung des gesamten menschlichen Wissens mit der a priori gegebenen göttlichen Weisheit.
Von dieser ganzheitlichen Sicht ist auch seine Didaktik getragen, deren Grundgedanken zu Persönlichkeit, Lernen, Lehrstoff, Übung und Bildung heute noch Gültigkeit haben.

Lit.: Johannis Amos Comenii Opera omnia. Editio quam paravit  Jos. Hendrich. 9 Bde. Prag, 1910–1938.

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3