Coincidentia oppositorum

Coincidentia oppositorum (lat., „Zusammenfall der Gegensätze“), Grundbegriff der philosophischen und  theologischen Metaphysik wie der  > hermetischen Lehre.
Der Gedanke der C. findet sich bereits in der neuplatonischen Einheitsmetaphysik und bei > Dionysios Areopagita. Geprägt wurde der Begriff jedoch von > Nikolaus von Kues für die Auflösung des Widersprechenden im Unendlichen, in Gott. Bei ihm fallen im Unendlichen die in der Welt entfalteten Gegensätze zusammen. Gott und Welt verhalten sich wie Einfalten und Ausfalten, denn Gott ist die Einheit aller Gegensätze (De Coniecturis II 1 2). Zudem sucht der Cusaner vor allem in seinem Werk De docta ignorantia seine dialektische Auffassung der C. auf die Kosmologie anzuwenden.
Die pantheistische Auslegung der C. als Erklärung der Gegensätze aus dem göttlichen All und als Zurückführung der Gegensätze in die göttliche Alleinheit findet sich bei Giordano Bruno und stellt den Beginn einer pantheistischen Tradition (> Pantheismus) dar. Diese wirkte sich über Jacob >
Böhme und > Paracelsus bis auf die Identitätsphilosophie von Fr. W. J. Schelling aus.
Die C. ist insbesondere das wichtigste Ziel der hermetischen Lehre. Es geht dabei um die Aufhebung der durch den Schöpfungsakt eingetretenen Unterscheidungen, wie jener zwischen Geist und Materie, Gott und Mensch, Licht und Dunkel, um wieder in die Einheit im göttlichen Wesen zurückzukehren. Insbesondere sollen die Gegensätze im > Stein der Weisen der > Alchemie überhöht werden, um auch  übermenschliche Probleme lösen zu können.
Bei G.W. F. Hegel wird das Element der C. positiv gewendet und aufgehoben, da die Gegensätze nicht erst im Unendlichen, sondern stufenweise bereits im Weltgeschehen in einem dialektischen Prozess ihre Auflösung finden.

Lit.: Coincidentia oppositorum: Gesammelte Studien zur Philosophiegeschichte / Erwin Metzke. Hrsg. von Karlfried Gründer. Witten: Luther-Verl., 1961; Winkler, Norbert: Die Entwicklung der Grundidee von der Coincidentia oppositorum in der Philosophie des Nikolaus von Kues. Berlin: Akad. d. Wiss. d. DDR, Diss. A, 1988; Stallmach, Josef: Ineinsfall der Gegensätze und Weisheit des Nichtwissens. Grundzüge der Philosophie des Nikolaus von Kues. Münster: Aschendorff, 1989.

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3