Codex

Codex, Klassenname für indianische Bilderhandschriften (azt. tlacuilolli) aus Mesoamerika in Form von langen, leporelloartig gefalteten Streifen aus > Amate oder Leder. Die Bilder und Hieroglyphen sind meist in schwarzen Umrisszeichnungen ausgeführt und mit anderen Farben bemalt. Durch rote Leitlinien wird ein C. häufig in Abschnitte oder Kapitel unterteilt. Die Texte beziehen sich inhaltlich auf > Wahrsagerei, Feste, > Rituale, Tributverzeichnisse und genealogisch-historische Aufzeichnungen von Herrscherdynastien. Bilderhandschriften mit geographischen Informationen werden auch Lienzos oder Mapas genannt.
Es existieren nur wenige vorspanische Exemplare, aus der Kolonialzeit (16. und 17. Jh.) gibt es hingegen zahlreiche Kopien, oft mit spanischen Erläuterungen.

Lit.: Robertson, Donald: Mexican manuscript painting of the early colonial period: the Metropolitan Schools. New Haven: Yale University Press, 1959; Riese, Berthold (Hrsg): Indianische Handschriften und Berliner Forscher. Berlin: FU, Univ.-Bibliothek, 1988.

 

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3