Coca und Cocain

Coca und Cocain. Der Name Coca, der heute durch das Erfrischungsgetränk Coca-Cola weltbekannt ist, das allerdings kein Cocain enthält, verweist auf eine Pflanze der Familie Erythroxylaceae. C. wird in zwei Sorten gepflanzt: die Erythroxylon Coca Lam (Huanaco-Sorte) und die Abart Erythroxylon novogranatense (Trujillo-Sorte). Die Pflanze wächst als teeartiger Busch an den warmen, feuchten Ostabhängen der Anden unter 2000 m Höhe. Ihre Geschichte geht Jahrtausende zurück. Bereits seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. zeugen archäologische Hinweise von der Kontinuität des C.-Genusses in den Andenkulturen.
In der Inka-Zeit besaß C. auch kultische Bedeutung im Zusammenhang mit dem „Großen Opfer“, bei dem makellose Kinder durch Cocapulver erstickt und der Sonne geopfert wurden.
In Peru und Bolivien, den Heimatländern von C., sind Millionen Menschen seinem Genuss verfallen; sie kauen die mit alkalischem Pulver vermengten Kugeln und saugen den Saft – daher auch die „geschwollenen“ Wangen der Arbeiter.
Die an der Sonne getrockneten Blätter enthalten an chemischen Bestandteilen Tannin, Alkaloide der Ekgonin-Gruppe, Volatilalkaloide, Öle, Tropacocain, Riboflavin sowie Vitamin B und C. Die lokalanästhetischen Eigenschaften dieses Extrakts wurden erst 1884 von dem Medizinstudenten Karl Koller in Wien entdeckt.
Auf den Organismus wirkt C. stimulierend: Müdigkeit wird beseitigt, Hunger unterdrückt und mit der Umwelt ein gewisser Ausgleich ge­schaffen. Vom bloßen – wenn auch schädlichen – Gebrauch des Cocains (Saugen des Saftes – Cocaismus) zu unterscheiden ist der toxische Miß­brauch, die Cocainomanie. Die tiefsten Wurzeln des C-Genusses der Indios dürften in den ökonomischen, sozialen und klimatischen Lebens- und Arbeitsbedingungen zu suchen sein. Die Versuche, den Konsum von C. einzuschränken, hatten bis jetzt wenig Erfolg. So wurde bereits 1630 an allen Kirchentüren des Peruanischen Königreiches ein Edikt gegen Astrologen, Sterndeuter und Hexer angeschlagen, in dem den Hexern vorgeworfen wird, dass sie Gebrauch machen von magischen Getränken, Kräutern und Wurzeln, genannt achuma, chamico und cola, mit denen sie ihre Sinne betäubten. Die Illusionen und Phantasmen, die sich dann einstellten, gaben sie als Offenbarungen aus.  

Lit.: Velimirovic, Helga und Dr. Botts: Coca, die göttliche Pflanze. Medizinische Mitteilungen 27 (Sept. 1968) 3, 33–39 (Schering AG); Allen, Catherine J.: The hold life has:  coca and cultural identity in an Andean community. Washington, D.C./London: Smithsonian Institution Press, 2002.

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3