Clemens, Titus Flavius

Clemens, Titus Flavius (lat.; griech. Klemens Alexandreus; dt. Klemens von Alexandrien; ca. 150 Athen; † 215 Kappadokien), griechischer Theologe und Kirchenschriftsteller.
C. fand wahrscheinlich schon früh über den Platonismus zum Christentum und wurde bereits 175 Lehrer der Katechetenschule von Alexandria in Ägypten und 200 als deren Leiter Nachfolger des Pontanus. In der Verfolgungszeit 202/203 flüchtete er und wurde später zum Vertrauten des Bischofs Alexander von Jerusalem. Sein Nachfolger in der Katechetenschule wurde sein Schüler > Origines.
In seinen Schriften, die als eine Fundgrube bezüglich des > Gnostizismus gelten, bemüht er sich, die griechische Philosophie mit dem Christentum zu verbinden, zumal nach C. der Glaube der Erkenntnis unterzuordnen sei. Der Logos, der sich in Christus inkarniert, stille jedoch das Suchen des Menschen nach unvergänglicher Wahrheit und ewigem Heil. Der wahre Gnostiker, für den seine sittliche Reinheit Vorbedingung ist, könne in unendlichem Fortschritt in diesem wie im anderen Leben zu Gott aufsteigen. Erkennen, Schauen und Lieben seien eins. Das Wissen sei es, durch das „wir unsterblich geworden sind und die höchste Schau des Seienden kennengelernt“ (Stromata, 57) haben. Könnte man diese Schau und das Heil trennen, was allerdings nicht der Fall ist, würde der Gnostiker die Schau der Erlösung vorziehen. Eine der wesentlichen Beschäftigungen des Gnostikers ist das innerliche formlose Gebet, da Gott die Gedanken kennt. Der mystische Aufstieg führt den Wissenden „zum Gipfel der Ruhe, zur Betrachtung Gottes, reinen Herzens und von Angesicht zu Angesicht, in reinem Wissen und Erfassen“ (Stromata 4, 136, 5).
C. beruft sich dabei auch auf eine mündliche Tradition der > Gnosis, die der Heiland den Aposteln weitergegeben habe, also eine esoterische Tradition, welche die Exklusivität einiger Eingeweihter beinhaltet. Diese Exklusivität findet sich auch im Jenseits, wo die einfachen Gläubigen von den Gnostikern, die „Götter“ genannt werden, getrennt sind, zumal der gewöhnlich Sterbliche erst nach dem Tod und einer Reinigung durch geistige Feuer die endgültige Vollendung erlangt, womit C. die Lehre vom Fegefeuer vorbereitet hat.
Solche Gedankengänge, die an die Mysterienreligionen erinnern, ließen Zweifel über seine Orthodoxie aufkommen. Seine Werke wurden im Mittelalter nicht ins Lateinische übersetzt und Papst Clemens VIII. (1592–1605) strich ihn auf Anraten von Kardinal Baronius aus dem  römischen Heiligenkalender. Papst Benedikt XIV. bestätigte dies 1748, da sein Leben nicht bekannt und seine Lehre zweifelhaft sei. In neuerer Zeit werden seine historische und theologische Bedeutung gewürdigt.

W.: Clemens Alexandrinus, hrsg. v. O. Stählin. Leipzig: GCS, 1905–1936, Bde. 12, 15, 17, 39; Clemens von Alexandreia, Übersetzung: O. Stählin. München: BKV, 1934–1938, Bde. 7, 8, 17, 19, 20.

 

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3