Circe

Circe (griech. kirke, Falke), auch Kirke oder Zirze, Name einer Zauberin der griechischen Mythologie, die in der Odyssee > Homers (8. Jh. v. Chr.) erwähnt wird. Sie ist die Tochter des Sonnengottes > Helios und der Okeanide Perse sowie die Schwester des Königs Aietes von Kolchis. > Medea ist ihre Nichte. Ihr Vater führt sie auf seinem Sonnenwagen aus Kolchis auf die Insel Aiaia in der Nähe von Italien, die sie bald in einen entzückenden Aufenthaltsort verwandelt. Sie wohnt in einem von Gold und Juwelen schimmernden Palast. Alle Besucher der Insel verwandelt sie in Tiere, so auch die Mannschaft des Odysseus, die in ihren Palast kommt, in Schweine, mit Ausnahme des Eurylochos, der die Gefahr ahnt, fernbleibt und unverzüglich Odysseus benachrichtigt. Dieser geht, von > Hermes mit dem heiligen Kraut Moly ausgestattet, das ihn immun macht, allein zur gefährlichen Zauberin. C. staunt, als ihr Zaubertrank keine Wirkung zeigt und schwört, ihm und seinen Freunden kein Leid anzutun. Odysseus bleibt ein Jahr bei ihr und lernt ihre magischen Fertigkeiten kennen. Vor seiner Weiterreise sendet sie ihn zur Befragung der Toten in das Reich des > Hades und berichtet ihm, wie es ihm gelingen würde, dem Gesang der > Sirenen unversehrt zu entkommen.
Nach einer anderen Version wird C. durch Odysseus Mutter dreier Söhne, des > Telegonos, des Agrios und des Latinus. Letzterer sei allerdings nach anderen der Sohn der > Kalypso gewesen.
Als Telegonos erwachsen ist, schickt ihn C. aus, Odysseus zu suchen, der bereits in Ithaka ist. In der Annahme, dass es sich um Kerkyra (Korfu) handelt, plündert Telegonos die Insel. Odysseus und Telemachus verteidigen ihre Stadt, wobei Telegonos unglücklicherweise seinen Vater tötet. Er bringt den Leichnam zusammen mit Penelope, Odysseus’ Witwe, und Telemachus nach Aiaia. Dort macht sie C. unsterblich und heiratet Telemachos, während Telegonos Penelope zur Frau nimmt, durch die er Vater des > Italos wird.
C. wurde auch in Literatur, Kunst und Musik vielfach als Thema aufgegriffen.

Lit.: Anfossi, Pasquale: Circe. Hannover-Laatzen: Wehrhahn, 2007; Homers Odyssee. Freiburg, Br.: Rombach, 2010.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3