Cideville, Spuk von

Cideville, Spuk von. Vom 16.11.1850 an kam es im Pfarrhaus von C., einem kleinen Städtchen in der Normandie, Frankreich, zu einer Reihe von spukhaften Ereignissen wie Klopfen, rhythmisches Trommeln bekannter Melodien, Hämmern, Steinewerfen, Bewegungen von Tischen und Stühlen, Messerwerfen, brausender Wind, Wegreißen von Kissen und Bettdecken. Der Spuk nahm solche Ausmaße an, dass zwei Jungen von 12 und 14 Jahren völlig verschreckt waren. Der Zwölfjährige fühlte sich von einem Geist verfolgt und identifizierte den Schäfer Felix Thorel als Gespenst, der sich für einen Zauberer ausgab. Pfarrer Tinel geriet daraufhin mit dem Schäfer in einen heftigen Streit mit Handgreiflichkeiten, was zur Anzeige durch Thorel führte. Nach dem Verhör von 34 Zeugen – darunter der Bürgermeister, der Gutsherr, mehrere Geistliche und der Marquis de Mirville, ein geachteter Okkultist aus Paris – wurde am 4. Februar 1851 das Urteil zugunsten des Pfarrers gefällt, da man zu folgendem Schluss kam: „Was immer die Wurzel sein mag für die ungewöhnlichen Erscheinungen, die im Pfarrhaus von Cideville auftraten – aus der Gesamtheit der erbrachten Zeugenaussagen wird deutlich, dass die Ursache der Tatsachen unbekannt bleibt.“ Das Verfahren von Thorel wurde eingestellt, weil er doch behauptete, ein Hexer zu sein, und daher den Pfarrer kaum beschuldigen konnte, ihn dessen bezichtigt zu haben.
Auf alle Fälle verdanken sich dem Verfahren die Gerichtsprotokolle der Zeugenvernehmungen. Wie bei anderen derartigen Ereignissen dürften auch hier die beiden Jugendlichen am Geschehen beteiligt gewesen sein, da dies zu dem Muster passt, dass Pubertierende bei Spukfällen häufig Bezugspersonen sind.

Lit.: Halifax, Ch. L. W.: Ghost Book. N. York, 1944; De Mirville, J.-E. de: Des Esprits. Paris, 1831; Thursten, H.: Poltergeister. Luzern, 1955, S. 117–123.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3