Church of Satan

Church of Satan (engl. First Church of Satan; dt. „Erste Kirche des Satans“). Die amerikanische Sekte mit Niederlassungen in Europa und Australien wurde in der Walpurgisnacht 1966 von dem Musiker, Tierbändiger, Fotografen und Schauspieler, Okkultexperten und Schriftsteller Howard LaVey (1930–1997) gegründet, der sich den Künstlernamen Anton Szandor LaVey zugelegt hatte. Seine Erfahrungen als Kriminalfotograf bei der Polizei in San Francisco hätten ihn mit so vielen Grausamkeiten konfrontiert, dass er nicht mehr an die Existenz eines guten Gottes glauben konnte.
In der C. werden okkulte, satanistische und sexuelle Praktiken geübt, die meistens aus älterer Tradition, insbesondere aus dem O.T.O und von Aleister >
Crowley stammen. LaVey stellte seine Lehre in drei Schriften vor: Satanic Bible (1969), dem Liber Al vel Legis von Crowley nachempfunden, Complete Witch (1970) und The Satanic Rituals (1972).
Die Grundlage von LaVeys Lehre bilden die 9 Erklärungen (9 Statements) nach dem Gesetz von Thelema (Crowley). Demnach steht > Satan für:

  • Zügellosigkeit anstatt Enthaltsamkeit.
  • Tatkräftige Existenz anstatt spiritueller Wunschträume.
  • Unbefleckte Weisheit anstatt heuchlerischer Selbsttäuschung.
  • Freundlichkeit zu jenen, die sie verdienen, anstatt Liebe, die an Undankbare verschwendet wird.
  • Rache, anstatt die andere Wange hinhalten.
  • Den Menschen als das lasterhafteste Tier betrachten.
  • Sünden zu begehen, die zu physischer, geistiger und gefühlsmäßiger Befriedigung führen. Daher werden alle Todsünden der christlichen Kirche wie Gier, Eitelkeit, Zorn, Neid, Gefräßigkeit, Wollust und Faulheit als erstrebenwert angesehen.

Satan ist für La Vey der Geist des Protests und verkörpert alle Irrlehren der Menschheit.
Die Rituale der C. folgen den überlieferten Formen der > Schwarzen Messe, bei der eine nackte Frau auf dem Altar liegen muss, welche die Erdmutter darstellt, denn durch den Sexualakt werde Energie für magische Kulthandlungen freigesetzt.
Die Organisation der C. ist in Graden geordnet. Kritiker werfen ihr vor, Menschen bei satanistischen Ritualen zu missbrauchen.

W.: Die satanischen Rituale. Berlin: Second Sight Books, 1999; Die satanische Bibel. Berlin: Second Sight Books, 1999; Die satanische Hexe. Zeltingen-Rachtig: Index-Verl., 2009.
Lit.: Frick, Karl R.H.: Satanismus und Freimaurerei. Graz: ADEVA., 1986; Drury, Nevill: Magie. Aarau: AT Verlag, 2003.

 

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3