Chuang Tzu

Chuang Tzu auch Chuang-chou (chin.; dt.: Dschuang-tse, ca. 370–295 v. Chr.) ist einer der bedeutendsten chinesischen Philosophen. Von Taoisten wird er zusammen mit > Lao-tzu, dem er an Bedeutung gleichkommt, als einer der Gründer des philosophischen Taoismus angesehen. Über sein Leben ist wenig bekannt. Möglicherweise war er ein kleiner Beamter.
In seiner Philosophie kritisierte er mit Hilfe des > Taoismus als Skeptiker und Pessimist den > Konfuzianismus und war nicht gewillt, unter einem Herrscher zu dienen, der seinem Denken und Handeln Grenzen setzen würde.  Als man ihm einen hohen Betrag anbot, um Regierungsbeamter zu werden, verglich er das Angebot mit der Mast eines Ochsen, den man zum Opfern in den Tempel führte. Dann sei es nämlich zu spät, darüber nachzusinnen, dass es besser gewesen wäre, ein armes Schwein zu bleiben, das niemand bemerkte.
Der Tradition nach ist Ch. der Verfasser des gleichnamigen Werkes Chuang-tzu oder Das Wahre Buch vom südlichen Blütenland. Das Buch ist ein Klassiker der chinesischen Literatur. Es besteht aus 33 Kapiteln, von denen der größere Teil vermutlich von seinen Schülern verfasst wurde.
Seine Lehre fußt auf dem Gedanken, dass der Verstand die letzten und tiefen Dinge nicht erfassen könne. Wenn man nämlich den Urgrund oder das Absolute (> Tao) verstehen wolle, müsse man sein eigenes Wissen unterdrücken. Dem Tao, das in allen Dingen gleichermaßen vorhanden ist, könne man sich daher nur durch > Meditation näheren. Während sich die Natur verändert, bleibt das Tao bestehen.
Weisheit besteht nach Ch. darin, die Unterscheidung zu erkennen und die Beziehung wahrzunehmen:

„Chuang-chou, träumte, dass er ein Schmetterling sei, der umherflatterte, nicht wissend, dass er Chouang-chou war. Er wachte mit einem Schreck auf und war wieder Chuang-chou. Aber er wusste nicht, ob er Chuang-chou war, der geträumt hatte, er sei ein Schmetterling, oder ein Schmetterling, der geträumt hatte, er sei Chuang-chou. Zwischen Chuang-chou und dem Schmetterling muss es einen gewissen Unterschied geben: Das ist es, was als ,die Verwandlung der Dinge‘ bezeichnet wird.“ (Dt. Übers.: R. Wilhelm [1923])

W.: Das wahre Buch vom südlichen Blütenland. Augsburg: Weltbild-Verl., [2004?]; Das höchste Glück. Frankfurt a.M.: Insel-Verl., 2005; Der Mann des Tao und andere Geschichten. München: Goldmann, 2005; Das Buch der Spontaneität.  Aitrang: Windpferd, 2008; Mit den passenden Schuhen vergisst man die Füße. Zürich: Ammann, 2009.

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3