Christine Ebner

Christine Ebner (* 26.03.1277 Nürnberg; † 27.12.1355 Engelthal), Dominikanerin und Mystikerin. Sie entstammte der Nürnberger Patrizierfamilie Ebner, der späteren Freiherren von Ebner von Eschenbach.
Als Zwölfjährige trat sie 1289 in das Dominikanerinnenkloster Engelthal bei Nürnberg ein. Nach dem Noviziat zeigten sich erstmals rätselhafte Krankheiten, die jährlich wiederkehrten. Ab dem 14. Lebensjahr setzten 1291 mystische Erlebnisse, vor allem Visionen, ein, die sie im Auftrag ihres Beichtvaters, des Dominikaners Konrad von Füssen, ab 1317 niederschrieb. Diese Niederschriften entstanden in mehreren Versionen und sind unter dem Titel Leben und Offenbarungen bekannt. 1345 wurde C. E. Priorin. Im Alter war sie eine Person von öffentlichem Rang. So erhielt sie 1350 Besuch von Kaiser Karl IV.; 1351 weilte der Mystiker > Heinrich von Nördlingen drei Wochen bei ihr und machte sie mit der Mystik > Mechthilds von Magdeburg, > Heinrich Seuses und > Johannes Taulers bekannt. Aus ihren Aufzeichnungen geht hervor, welch großen Einfluss er auf sie hatte. Auch mit der späteren Seligen Margarete Ebner, die nicht mit ihr verwandt war, hatte sie Kontakt.
In ihren Aufzeichnungen nimmt C. E. Anteil am Konflikt Ludwigs des Bayern mit dem Hl. Stuhl, am Wüten der Erdbeben, der Pest (Schwarzer Tod) in Nürnberg sowie den Irrungen der > Flagellanten-Prozessionen von 1349.
In ihren Schriften bekundet sie ihr großes Bemühen um eine persönliche Gottesbeziehung. Sie entfernt sich dabei immer mehr von den Formen blutiger Askese und entwickelt als Frau das Bild eines liebenden, den Menschen nahen Gottes.

W.: Von der genaden uberlast, verf. vor 1346; Von der Gnaden Überlast. Paderborn, 1924.

Lit.: Schröder, K. (Hrsg.): Der Nonne v. Engeltal Büchlein v. der Gnaden Überlast, 1871; Lochner, Georg Wolfgang: Leben u. Gesichte der Chr. E., 1872, übertr. u. eingel. v. Wilhelm Oehl; Wilms, Hieronymus: Das Beten der Mystikerinnen dargestellt nach d. Chroniken d. Dominikanerinnen-Klöster zu Adelhausen, Diessenhofen, Engeltal ... Leipzig: Harrassowitz, 1916.

 

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3