Christina von Stommeln

Christina von Stommeln, auch Christina Bruso (* 24.07.(?)1242 Stommeln; † 6.11.1312 ebd.), selig (Confirmatio cultus 12.08.1908, Fest: 6. November), Mystikerin („die Kölnische“). C. war eine Bauerntochter und verlobte sich bereits im Kindesalter mit Christus. In einer Vision erfuhr sie: „Du wirst bei den Beginen bleiben.“ Mit 13 Jahren zog sie ohne Wissen der Eltern in einem Beginenkonvent in Köln ein, wurde jedoch mit 17 Jahren wegen eines Vorfalls in der Kirche der Dominikaner nach Hause geschickt. Ihren Aussagen zufolge „sei sie in der Dominikanerkirche so von Sinnen gewesen, dass sie aus der Kirche in den Konvent zurückgetragen worden sei und ihre Ekstase drei Tage ununterbrochen angehalten habe“ (Vita Christinae, S. 111).
In Stommeln waren weder ihre Eltern noch die dortigen Beginen über sie erfreut. Schließlich fand sie bei Pfarrer Johannes Aufnahme. Ihre Andersartigkeit fand wenig Gegenliebe. Ab dem 15. Lebensjahr zeigten sich an ihr die > Stigmata, was sie weit über ihre Heimat hinaus bekannt machte. 1267 kam der schwedische Dominikanerpater Petrus von Dacien (†1288) nach Stommeln, der sie dann noch fünfzehnmal besuchte und ihr Beichtvater wurde. 1268 habe er die Stigmen das erste Mal gesehen. Bei seinem Besuch zu Ostern 1269 nahm er zwei skeptische Zeugen mit. Er schreibt:
„Ich sah aber an der jungfräulichen Hand fünfzehn Zeichen, nicht allzu groß, rund und rosa gefärbt, wunderbar angeordnet: Mitten in der Hand war ein rundes Mal zu sehen, nicht ganz so groß wie ein Sterling, aber größer als alle anderen Zeichen; rund herum befan­den sich vier Male, angeordnet in Kreuzform, etwas kleiner als das erste, aber größer als die zehn übrigen. Alle hatten voneinander denselben Abstand. Die fünf erstgenannten Male waren in das Fleisch der Handfläche eingeprägt; die restlichen zehn aber waren auf die fünf Finger verteilt, dass sich auf jedem Finger zwei befanden, und zwar eines in der Mitte der Fingerglieder, die sich an die Hand­fläche anschließen ... Mitten auf der Ober- und Unterseite des rech­ten Fußes befand sich eine Wunde, ein wenig größer als ein Sterling. Von hier aus flossen vier ziemlich breite Rinnsale von Blut nicht den Fuß hinab zu den Zehen, sondern den Fuß hinauf... Nach Ostern hörten wir von den Mädchen, die bei Christina waren, dass ihr Unter­kleid in der Herzgegend von Blut durchtränkt war auf einer Fläche, die so groß war wie eine Menschenhand ... Als sie aber die Stirn freigemacht hatte, sahen wir drei Blutbäche, wohl aus einer Quelle fließend, jeder zwei Finger breit. Die beiden äußeren flossen zu den Schläfen, der mittlere aber zur Nase hin" (Vita Christinae, S. 61).
Die Stigmen traten auch in der Folgezeit zu Ostern immer wieder auf, wahrscheinlich bis 1286.
Die weiteren Besonderheiten, wie Christus- und Dämonenvisionen, Poltergeister und Exkursionen, die bei C. ab dem elften Lebensjahr begannen und zuweilen tagelang dauerten, werden unterschiedlich beurteilt und sind differenzierter zu betrachten. Man hat sie auch als Spinnerin bezeichnet. Jedenfalls waren während ihrer Ekstasen Wachbewusstsein und Empfindungsvermögen ausgeschaltet. Als man ihr 1279 während einer Ekstase am Arm drei Wunden zufügte, reagierte sie nicht, doch bluteten die Wunden noch zwei Jahre lang bei jeder Kommunion C.s.
Nach ihrem Tod wurde C. als Heilige verehrt. 1342 wurden ihre sterblichen Überreste in das Stift Nideggen (Eifel) und 1586 nach Jülich überführt, wo sie bis heute in der Stiftskirche ruhen.

Lit.: ActaSS iun 4,1 (1707), 270–454; Wollersheim, Theodor: Das Leben der ekstatischen und stigmatischen Jungfrau Christina von Stommeln, wie solches von dem Augenzeugen Petrus von Dacien und Andern beschrieben ist. Köln, 1859; Petri de Dacia vita Christinae Sumbelensis. Hg. von J. Paulson. Göteborg, 1896; Peter Nieveler: Codex Iuliacensis. Christina von Stommeln und Petrus von Dacien. Ihr Leben und Nachleben in Geschichte, Kunst und Literatur. Kühlen, Mönchengladbach, 1975; Bers, Günter: Die Verehrung der seligen Christina von Stommeln in Jülich. Vom 16. zum 20. Jahrhundert. Zur Kulturgeschichte einer Volksheiligen. Jülich: Verlag des Jülicher Geschichtsvereins, 1986.

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3