Christian, Paul

Christian, Paul (1811–1881 (1877?), Pseudonym  für Jean Baptiste Pitois, französischer Journalist und Historiker. 
Ab 1839 arbeitete C. als Archivar im französischen Erziehungsministerium, sichtete u.a. die beschlagnahmten Bücher aus französischen Klöstern und begann sich mit Magie zu befassen. Er entwarf ein System der kabbalistischen Astrologie, das er einer Handschrift von Jeanne Marie > Guyon (1648–1717) entnommen haben will. Seine Schriften veröffentlichte er unter verschiedenen Namen, wie Hortensius Flamel: Le Livre Rouge (1841), Le Livre d’or (1842), auch unter A. Frédéric de la Grange. 1850/51 traf er Eliphas > Lévy und lernte den > Tarot kennen. Sein erstes astrologisches Werk, Carmen Sibyllum, erschien 1854. In seinem L’homme rouge des Tuileries (1863) vermengt er die Tarotsymbolik mit Elementen der Astrologie zu einem kabbalistischen Weissagungsverfahren, wobei Guyon, ein Schützling Napoleons, der rote Mann ist, der Napoleons Aufstieg und Sturz vorausgesagt haben soll. Das Werk hatte großen Einfluss auf die Okkultisten. C. prägte den Begriff Arcana (lat. > Arcanum, das Geheime, Eingeschlossene) und gab damit der okkult-esoterischen Welt eine gemeinsame Sprache in Bezug auf Tarot-Karten. 1870 erschien schließlich sein bekanntestes Werk, Histoire de la magie, worin er die Geschichte der Einweihung im alten Ägypten und eines Tempels mit 78 Stufen schildert, in dem sich Bilder gefunden hätten, die bei Initiationen in die ägyptischen Mysterien Verwendung fanden. Diese Aussagen hinterließen tiefe Spuren in der Welt des Tarot, weshalb C. als Wegbereiter der Tarotdeutung zur „entwicklungspsychologischen Interpretation“ als Lebenshilfe bezeichnet wird. Seine Arbeit förderte auch den „astrologischen Tarot“ zutage.
C. war zudem Chefredakteur des Moniteur du Soir und des Moniteur Catholique. Weiters verfasste er eine Geschichte der Französischen Revolution und ein achtbändiges Werk über Helden des Christentums.

Lit.: Giles, Cynthia: Tarot. Solothurn; Düsseldorf: Walter, 1994; Graf, Eckhard: Die Magier des Tarot. Kl. Königsförde/Krummwisch: Königsfurt, 2000; Körbel, Thomas: Hermeneutik der Esoterik. Münster: LIT, 2001.

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3