Christengemeinschaft

Christengemeinschaft, anthroposophisch-religiöse Gemeinschaft (CG). 1921/22 hielt Rudolf > Steiner auf Bitten evangelischer Theologen, unter ihnen Friedrich Rittelmeyer und Emil Bock, Kurse zur religiösen Erneuerung. Diese führten am 16.09.1922 im Goetheanum in Dornach (Schweiz) bei der ersten Feier der „Menschenweihehandlung“ durch Steiner und seinen Anhänger Rittelmeyer (1872–1938) zur Gründung der CG. Obgleich Steiner der Gemeinschaft nie beitrat, formulierte er das Glaubensbekenntnis und verfasste auch die liturgischen Texte der "Menschenweihehandlung“, die in ihrem Aufbau weitgehend der römisch-katholischen Messe entspricht. An die Spitze der CG trat vielmehr Rittelmeyer als „Erzoberlenker“. In allen größeren Städten entstanden Ortsgemeinden, bis die CG 1941 in Deutschland verboten wurde. 1945 nahm sie in West- und Ostdeutschland ihre Arbeit wieder auf. Sie ist hierarchisch aufgebaut und weltweit in der Foundation of the Christian Community zusammengeschlossen. Ein Ziel der CG ist, die Spaltung der Christenheit in Katholiken und Protestanten wieder aufzuheben.
Der angebotene Heilsweg ist primär vom Kult bestimmt. Im Mittelpunkt stehen die sieben Sakramente: Taufe, Abendmahl, Beichte, Konfirmation, Trauung, Priesterweihe (seit der Gründung auch Frauen) und das Sterbesakrament. Die Sakramente werden als religiöses Geschehen verstanden, das auf die zukünftige Einheit von Geist und Materie hinweist. Von der evangelischen und katholischen Kirche wird die Taufe nicht anerkannt, wohl aber erkennt die CG die Taufe der genannten Kirchen an.
Glaubensgrundlage ist die Bibel in der Auslegung nach der Lehre Rudolf Steiners. Christus kam als Sonnengott auf die Erde und wurde durch seine Inkorporation in die menschliche Hülle des Jesus sowie durch das „Mysterium von Golgotha“ zum Erdengott. Hinzu kommt die Lehre von > Reinkarnation und > Karma, die  man mit den biblischen Aussagen zu verbinden sucht. Die CG steht außerhalb der ökumenischen Gemeinschaft der Kirchen, weil sie das Gespräch über die liturgischen Texte verneint und an ihrer Bindung zur >
Anthroposophie festhält.

Lit.: Rittelmeyer, Friedrich: Die Menschenweihehandlung. Stuttgart: Verlag der Christengemeinschaft, 1926; ders.: Sünde und Gnade. Stuttgart: Verl. Urachhaus, 1950; Bock, Emil: Wat wil de Christengemeenschap? Rotterdam: Uitgeverij Christofoor, 1980; Bock, Darrell L.: Die verschwiegenen Evangelien. Gießen, Lahn: Brunnen-Verl., 2007.

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3