Chorten

Chorten, auch Tschörten oder Chörten (mchod-rten, „Opferbehälter“), die tibetische Ausformung des buddhistischen > Stupa, in der Mongolei „Suburghan“, in Burma und Sri Lanka „Dagoba“, in Thailand „Prachedi“ und in China „Pagode“ genannt.
Der C. als Behälter der sterblichen Überreste einer heiligen Person und als Schrein, der auch Texte, Bilder, Gebrauchsgegenstände und Ritualgeräte enthält, ähnelt in seiner Funktion dem Stupa, weist jedoch Unterschiede in der architektonischen Entwicklung auf. Dazu haben sowohl die begrenzten Materialvorkommen als auch der veränderte Symbolgehalt beigetragen. So konnten die unzähligen Stupas im Himalaya nicht alle mit Reliquien gefüllt werden. Man fasste daher den Begriff Reliquien zusehends weiter und sah auch Gebrauchsgegenstände und Ritualgeräte der Heiligen als Reliquien an. Zudem wurden heilige Texte, symbolisch für die gesamte Lehre, eingemauert.
Der C. besteht aus einer Basis von drei übereinanderliegenden Stufen als Symbol der wichtigsten Lehren Buddhas: Ethik, Meditation und Weisheit. Der darüberliegende viereckige Teil ist mit Stuckreliefs verziert, wie > Löwen, > Drachen, > Pfauen oder geometrischen Linien und Symbolen und häufig bunt bemalt. Das runde Mittelstück stellt die höchste Erkenntnis der Leere (> Sunyata) dar, eine Doktrin, die der gesamten > Mahayana-Philosophie zugrunde liegt. Die nachfolgenden – meist dreizehn – Stufen stehen für die verschiedenen Etappen auf dem Weg zur geistigen Befreiung. Ist diese erreicht, nehmen alle Gegensätze und Dualitäten ein Ende, was durch Sonne und Halbmond symbolisiert wird. Den Abschluss bildet die seit jeher als Urelement verehrte > Flamme.
Auf ähnliche Weise erfolgt die Interpretation dieses religiösen Bauwerks mit den fünf Elementen, in die sich der menschliche Körper nach dem Tod auflöst: Der unterste Teil stellt die > Erde dar, gefolgt von > Wasser, > Feuer, > Wind und >
Äther. > Stupa

Lit.: Kottkamp, Heino: Der Stupa als Repräsentation des buddhistischen Heilsweges. Wiesbaden: Harrassowitz, 1992; Das Lexikon des Buddhismus. Freiburg i. Br.; Basel; Wien: Herder, 1998.

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3