Chnum

Chnum (ursprünglich Chnumu; griech. Chnumis), angesehener ägyptischer Widdergott. Bis in die Frühzeit des Alten Reiches wurde C. in der Gestalt eines Widders verehrt, dann jedoch als Mann mit Widderkopf dargestellt, dessen Hörner horizontal gedreht sind. In Elephantine galt er als Wächter der Nilquelle, der die Überschwemmungen hervorbrachte und so zum Fruchtbarkeitsgott wurde.
C. ist aber auch als Geburtsgott zu sehen. So gestaltet er den Leib eines Kindes auf einer Töpferscheibe und lässt ihn im Samen in den Leib der Mutter gelangen – von daher sein Beiname: „Bildner, der belebt“. Auf diese Weise hat er auch die Götter geschaffen. Als Ur- und Schöpfergott ist er „Vater der Väter, die Mutter der Mütter, die Amme der Ammen“. Zusammen mit der Geburtsgöttin > Heket hilft er bei der Entbindung.
Im südägyptischen Esna gilt C. als der Schöpfer aller Wesen. In ihm sind Sonne und Himmel (> Re), Luft (> Schu), Unterwelt (> Osiris) und Erde (> Geb) vereinigt, was in den vierköpfigen Darstellungen des C. zum Ausdruck kommt. Zudem verbergen sich hinter seinem Namen verschiedene Widdergötter, zu denen auch >
Amun gehört.
In der hellenistischen Zeit spielt er eine bedeutsame Rolle in der Offenbarungsliteratur wie den astrologischen Gesprächen, die er mit Osiris führt, und den Offenbarungen, die er Priestern spendet (Poimandres). Im Totenbuch des N. R. (Kap. 36) wird er als Herr des Erdkreises angesprochen. Sein Hauptkultort lag auf der Nilinsel Elephantine, doch genoss er auch in Memphis einen Kult.

Lit.: Badawi, Ahmad Mohamad: Der Gott Chnum. Glückstadt: Augustin, 1937; Jaritz, Horst: Die Terrassen vor den Tempeln des Chnum und der Satet. Mainz: von Zabern, 1980; Bonnet, Hans: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. Berlin: Walter de Gruyter, 2000.

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3