Chlysten

Chlysten, aus der russisch-orthodoxen Kirche im 17. Jahrhundert hervorgegangene ekstatisch-enthusiastische religiöse Gruppe. Der Name C. stammt von den Gegnern der Bewegung. Die Anhänger selbst nannten sich „Gottesleute“ (Ljudi boschii). Ihre Lehre geht auf den fahnenflüchtigen Soldaten Danila Philippowitsch zurück, der sich selbst als Inkarnation von Gott Sabaoth verstand und als Gottbesessener gebärdete. Seine Offenbarungen galten deshalb als Worte Gottes selbst, welche die Heilige Schrift ersetzen sollten. Zwei seiner Anhänger aus dem Bauerntum, Iwan Timofejewitsch Suslow und Akulina Iwanowa, ernannte er zu Christus und zur Gottesmutter. Nach Auffassung der C. konnte Christus in jedem Menschen geboren werden. Jesus sei bis zur Taufe im Jordan, als der Geist Gottes herabkam, der ihn erst zum Christus machte, ein gewöhnlicher Mensch gewesen. Als solcher war er für die C. der über allem stehende himmlische Herr. Das Hauptinteresse der C. galt der Rettung des Menschen. Diese erfolgte einerseits durch den Empfang des Geistes Gottes, andererseits durch die Bereitschaft zum Leiden.
Gegenüber den Nicht-C. sollte absolute Geheimhaltung geübt werden. Den Höhepunkt der Gottesdienste, die in weißen Gewändern begangen wurden, bildete ein ekstatischer Kreistanz. Eine Sonderbewegung der C. übte statt eines solchen Kultes eine rigorose Kasteiung bis zur Kastration aus. Um 1840 machte sich eine straff organisierte Gruppe unter den Namen Izrail’ (Israel) selbständig, die sich als auserwähltes Volk Gottes verstand. Daran anknüpfend organisierten sich die C. nach 1905 unter der Führung von Wassilij Lubkow als „Neues Israel“. Unter dem Kommunismus wurden die C. dezimiert. Über Reste des C.tums in der heutigen Zeit ist nichts bekannt.

Lit.: Grass, Karl Konrad: Die russischen Sekten. Bd. 1: Die Gottesleute oder Chlüsten nebst Skakunen, Maljowanzü, Panijaschkowzü u.a. Leipzig: Hinrichs, 1966; Lichtfreund: Rasputin und die Sekte der Chlysten, in: Er liebte die Gottesmutter. Die Wahrheit über Rasputin. Norderstedt: Books on Demand GmbH, 2005.

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3