Chimäre

Chimäre (griech. chimaira, Ziege, lyk. Untier; lat. chimaera), dreigestaltiges bzw. dreiköpfiges lykisches Ungeheuer – vorne Löwe, hinten Schlange, in der Mitte Ziege (Hom. Il. 6, 181) –, das von dem jugendlichen Helden Bellerophon, der auf dem Flügelross > Pegasus ritt, getötet wurde. Die etruskische Großbronze aus dem 4. Jh. v. Chr. im Archäologischen Museum in Florenz ist eine der berühmtesten Bronzefiguren der Antike und ahmt wortwörtlich die literarische Vorlage nach.
Das Ungeheuer ist der Spross des > Typhon und der Echidna, Schwester des > Kerberos, der > Sphinx und der > Hydra. Nach anderer Überlieferung wurde C. vom Lykier Amisodaros aufgezogen (Hom Il. 16, 328).
Seit > Homer ist es fester Bestandteil, dass C. Feuer speit, Ovid zufolge (Met. 9, 647) aus dem namengebenden Ziegenkopf. In > Vergils „Unterwelt“ wohnt es mit anderen Ungeheuern zusammen (Aen. 6, 288).
In der heutigen Sprache bezeichnet das eingebürgerte Fremdwort „Chimäre“ („Schimäre“)  ein „Hirngespinst“. Die entsprechenden Adjektive „(s)chimärisch“ oder „(s)chimärenhaft“ werden mit „trügerisch“ gleichgesetzt. In der Biologie steht „Chimäre“ für einen Organismus, dessen Körper aus zwei oder mehreren genetisch verschiedenen Geweben zusammengesetzt ist. Mit dem Oberbegriff „Chimärismus“ wird sowohl das Zustandekommen aus Anteilen verschiedener Embryonen als auch das Ergebnis der nachträglichen Einführung von Zellen eines anderen Organismus subsumiert.

Lit.: Karenberg, Axel: Amor, Äskulap. Stuttgart: Schattauer, 2005; Stephani, Caspar: Chimäre Kokulturen embryonaler und adulter Stammzellen. Leipzig, Univ., Diss., 2009.


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3