Chiemsee, Spuk

Chiemsee, Spuk. Im Juni 1946 kam es in Lauter am Chiemsee zu außergewöhnlichen Begebenheiten. Betroffen war ein Ehepaar, das aus dem Rheinland nach Oberbayern gekommen war, wo es mit zwei angenommenen Kindern in zwei kleinen Kammern wohnte. Bei den beiden Pflegekindern handelte es sich um die 13-jährige Irma, die nicht adoptiert worden war, weil sie nach Ansicht der Hauptperson, der Ehefrau Carola Schrey, charakterlich nicht geeignet war, und die viereinhalb Jahre alte Edith, genannt Ditti, das Lieblingskind.
Im Juni 1946 hatte Ditti einen unvorstellbaren Wutanfall, der sich öfters wiederholte. Das Kind veränderte sich, wurde aggressiv, sprach unflätig, und wenn etwas verboten war, machte es das Mädchen mit besonderem Nachdruck. Äußerlich wurde Ditti unansehnlich und schmutzig. Täglich mussten 3–4 Schmutzhaufen und bis zu 10 Urinlachen entsorgt werden. Im August verschwanden auf einmal Lebensmittel. Im September  verstärkten sich die Zustände und die Exkremente nahmen ein Ausmaß an, dass man sie kaum allein dem Mädchen zuschreiben konnte, zumal sie überall auftauchten. Die Kleine schrieb alles der „Ditti“ zu, die sie angeblich beherrschte.
Als man ihr eine angeblich wunderbare Medaille umhängte, trat etwas Ruhe ein. Die Kothaufen ließen an Menge nach und befanden sich vor allem nicht mehr in Dittis Bett. Dafür kam es zu anderen Unannehmlichkeiten. Als Irma den Mantel anzog, lief eine gelbe zähe Schleimmasse darüber, Lebensmittel verschwanden. Anfang Oktober flogen Tomaten und Äpfel durch den Raum. Die Kinder sahen dunkle Gestalten. Am 8. Dezember wurde Irma wie von Geisterhand ein Zopf abgeschnitten und vier Wochen später wurde ihr eine starke Kopfwunde zugefügt.
Schließlich setzte man die Hoffnung auf geistliche Hilfe. Auf Anraten von P. Stephan Kainz OSB des Heilig-Kreuz-Klosters in Scheyern legte man Scheyrer Kreuzlein in die Wohnung und erbat seinen Segen, verbunden mit Exorzismus. Damit hatte der Spuk bei der Familie ein Ende, doch kam es bei einem 60 Jahre alten Flüchtlingspaar in einem 8–10 km entfernten Dorf zu sonderbaren Ereignissen. Haushaltgegenstände flogen durch die Luft und Kot wurde dem Ehepaar ins Gesicht geschmiert. Auch hier kam der Spuk auf Anraten der Familie H. durch das Gebet des Paters zu einem Ende. Dafür traten im Juli 1947 in der Familie um Irma und Ditti erneut spukartige Erscheinungen auf. Wieder ersuchte man um das Gebet des Paters, das auf seine Wirkung nicht warten ließ und ab Februar 1948 zur vollkommenen Ruhe führte.
Der Fall wurde auch von Prof. Dr. Hans > Bender aus Freiburg und Dr. Fischer aus Marburg an der Lahn in fünftägiger Untersuchung geprüft, ohne einen Schwindel festzustellen.
Später wurden jedoch Berichte laut, dass die Polizei den Schwindel aufgedeckt habe. Darauf antwortete das „Passauer Bistumsblatt“ vom 7. Dez. 1952: „Gar nichts hat sich bis jetzt herausgestellt und der Spuk am Chiemsee ist nach wie vor ungeklärt.“

Lit.: Schrey, Carola: Die Wahrheit über den Spukfall am Chiemsee: ein Tatsachenbericht der Betroffenen. Wiesbaden: Credo Verlag, 1950.
 


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3