Cherub

Cherub (hebr. keruv, Mehrzahl Cherubim), geflügeltes Wesen mit menschlichem Haupt und Tierkörper.
Was die Herkunft des Begriffes betrifft, herrscht Unklarheit. Am wahrscheinlichsten ist die Annahme, dass der hebräische Begriff mit dem akkadischen karabu (beten, segnen) zusammenhängt. Das entsprechende Substantiv karibu, karubu (Beter, Fürbitter) bezeichnet den Gläubigen oder häufiger eine Schutzgottheit, die das Gebet des Gläubigen vor den Hauptgott trägt. In diesem Zusammenhang wird C. auch als israelisches Gegenstück zur > Sphinx bezeichnet, die in Ägypten und Mesopotamien bekannt war.
In der hebräischen Bibel findet sich der Begriff  91-mal. In Gen 3,24 werden die C. zu Wächtern auf dem Weg zum Baum des Lebens bestellt. Als Goldstatuen bilden sie den Thron der >
Bundeslade (Ex 25,18-20) und in Salomons Tempel dienen sie als Dekoration (1 Kön 6,29). Im zweiten Tempel gab es keine C. mehr, da zu jener Zeit nach Josephus niemand wusste, was sie eigentlich sind.
In der > Apokalypse sind die C. Lebewesen am Throne Gottes, die bei Tag und Nacht rufen: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott, der Herrscher über die ganze Schöpfung; er war, und er ist, und er kommt“ (Offb 4,8).
In der neunstufigen Engelshierarchie des > Dionysius Areopagita bilden die C. als Symbol des Wissens die zweite Klasse. Ihre Führer sind > Gabriel, Cherubiel, Ophaniel, > Raphael, > Uriel, Zophiel und > Satan vor dem Fall. Sie stehen in unmittelbarer Gottesnähe, kennen Gottes Wesen und geben dieses als Sprachrohr Gottes an die unter ihnen stehenden Engel weiter. Über ihnen stehen die > Seraphim.
Ikonografisch werden die C. in der Regel durch vier Flügel gekennzeichnet. Bei den Darstellungen mit sechs Flügeln können sie durch das ihnen beigefügte Rad von den Seraphim unterschieden werden.
Auch in der sog. himmlischen > Dämonenhierarchie der > Dämonologie, die vom Neuplatonismus entwickelt wurde, nehmen sie den zweiten Platz ein. Sie gelten als Geister der Harmonie, betreuen das planetarische System des > Tierkreises und werden mit den festen Zeichen des Tierkreises (Stier, Löwe, Skorpion und Wassermann) verbunden.

Lit.: Jacoby, A.: Zur Erklärung der Kerube. Afr. 22 (1923–1924); Albright, W. F.: What were the Cherubim? Biblical Archeologist I/1926; Dessenne, André: Le sphinx: étude iconographique. Paris: de Boccard, 1957; Mettinger, T. N. D.: Cherubim, in: Dictionary of Deities and Demons in the Bible. Leiden: Eerdmans; Brill, 1999.


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3