Chavin de Huantár

Chavin de Huantár, die älteste der präkolumbianischen Kulturen Perus im oberen Maranon-Tal, am Osthang der Cordillera Blanca (südostlich von Huarez), 3.500 Meter über dem Meer gelegen, und benannt nach der Ruinenstätte eines Heiligtums. Die Kultur dürfte sich von 850 bis 200 v. Chr. erstreckt haben. Sie breitete sich im Hochland sowie entlang des Küstengebietes aus und beeinflusste viele der nachfolgenden Kulturen.
Worin C. eigentlich bestand, ist bis heute nicht bekannt. Zweifellos war es eine Kultstätte. Die Anlage gilt als das älteste Steinbauwerk in Peru und umfasst zahlreiche Gebäude mit verschiedenen Plattformen und Innenhöfen, die zum Teil durch unterirdische Gänge miteinander verbunden sind. Das Hauptbauwerk ist eine quadratische Pyramide. Eine erwähnenswerte Eigenart der Ruine in Skulpturen und Reliefs ist das wiederholte Auftauchen von jaguarartigen Dämonen mit schlangen- oder auch drachenartigen Zügen.
Im südlichen Peru gewährt die eigenartige, bunte, technisch hervorragend ausgeführte Keramik von Nazca Einblick in die religiöse Vorstellungswelt der Bewohner dieser wüstenhaft trockenen Täler. So finden sich Dämonendarstellungen mit katzen- und schlangenartigen Zügen und Figuren mit Kopftrophäen. Zudem finden sich auch kleine Kopfschalen, bei denen eine Seite ein aufgemaltes Gesicht trug. Häufig sind auf den Gefäßen Feldfrüchte und Tiere abgebildet, was auf Fruchtbarkeitskulte schließen lässt, da in diesem trockenen Gebiet Regen und Fruchtbarkeit der Felder von besonderer Bedeutung waren. Alle Gefäße kommen aus Gräbern. Sie zeugen als Totenbeigaben von der Sorgfalt, mit der die Verstorbenen bestattet wurden, die man zudem in kunstvolle Webereien aus Wolle oder Baumwolle hüllte. Die schönsten dieser Textilen mit unverblasster Farbenpracht fand man in der Gräberstadt Paracas.
Die von C. entwickelte Bewässerungstechnik wurde dann auch von den Erben dieser Zivilisation für den Feldbau verwendet.

Lit.: Burger, Richard L.: The prehistoric occupation of Chavin de Huántar, Peru. Berkeley: Univ. of California Press, 1984; Donnan, Christopher B.: Early Ceremonial Architecture in the Andes. Dumbarton/Washington, 1985; Lumbreras, Luis Guillermo: Chavín de Huántar: excavaciones en la Galeria de las Ofrendas. Mainz: von Zabern, 1993; Burger, Richard L.: Chavín de Huántar and Its Sphere of Influence. in: Helaine Silverman/William H. Isbell: Handbook of South American archaeology. New York: Springer, 2008, S. 681–701.
 


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3