Charvaka

Charvaka, auch Lokayata (sanskr. loka, Welt), alt-indische Philosophenschule für Atheismus, Materialismus und Hedonismus, benannt nach ihrem angeblichen Gründer gleichen Namens. C. wurde erstmals im 7. Jh. von dem Philosophen Purandara zur Bezeichnung der Materialisten verwendet. Dharmakirti, ein weiterer Vertreter des C., nennt in seinem Buch Pramanvartik fünf irrationale Handlungsweisen: Glaube an die Heiligkeit der Veden, Glaube an einen Schöpfergott, Baden in heiligen Gewässern als Verdienst, Kastenstolz, Buße für Sünden. Die beste Quelle zu C. ist angeblich das Buch Tattvopaplavasimha von Jayarashi Bhatta aus dem 8. Jh., das allerdings auch Ideen des Madhyamaka, einer Philosophenschule des Mahayana-Buddhismus, enthält. Ihren letzten bekannten Auftritt hatten die C.-Philosophen 1578 anlässlich einer Philosophenkonferenz am Hofe des Großmoguls Akbar.
Ihre Lehre heißt auch Lokayata (Welt), weil sie nur die Existenz dieser Welt annimmt, die aus den vier Elementen > Erde, > Wasser, > Feuer und > Luft besteht, aus deren Kombination das Leben entstanden sei. Eine geistige Welt, die Wirksamkeit ritueller Bräuche und sittliche Pflichten lehnten die C.-Philosophen ab. Sie vertraten vielmehr den Gewinn der Erkenntnis aus der Erfahrung und den Primat der Wahrnehmung vor der Deduktion. Aus der Erfahrung könne man weder auf Götter, ein Fortleben nach dem Tode oder auf > Karma schließen (Riepe). Da das Leben mit dem Tod ende, empfahlen sie den Lebensgenuss in rechtem Maß. Diese Lebensphilosophie stellte jedoch für Religion und Sittlichkeit eine Gefahr dar, weshalb C. zu einer Geheimlehre degradierte.

Lit.: Debiprasad Chattopadhyaya: Lokayata: A Study in Ancient Indian Materialism. New Delhi: People’s Pub. House, 1959; Riepe, Dale: The Naturalistic Tradition of Indian Thought. Dehli: Motilal Banarasidas, 1964.
 


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3