Charila

Charila (griech.), Name eines Mädchens, nach dem das alle neun Jahre gefeierte Fest benannt wurde, über dessen Ursprung Plutarch (ca. 45–125) berichtet.
Zu > Delphi war eine große Hungersnot ausgebrochen. Die Bevölkerung kam zum König, um Nahrung zu erbitten. Dieser verteilte diese jedoch nur an höhergestellte Bürger. Als ihn das Waisenmädchen C. inständig um Essen bat, schleuderte er zornig seinen Schuh nach ihm. Das Mädchen grämte sich so sehr, dass es in den Wald ging und sich mit ihrem Gürtel erhängte. Daraufhin wurde die Not noch größer, denn es kamen ansteckende Krankheiten dazu. Man befragte die > Pythia und diese sagte, die > Manen von C. müssten versöhnt werden. Man suchte nach dem Mädchen, fand schließlich seinen Leichnam und wiederholte den Vorgang. Der König verteilte wieder Nahrung, diesmal aber an alle, Einheimische wie Fremde. Dann warf er seinen Schuh einer Strohpuppe, die C. darstellte, ins Gesicht, brachte sie an den Ort des Selbstmordes von C. und begrub sie mit einer Schlinge um den Hals. Dieser Ritus wurde seitdem alle neun Jahre unter dem Namen C. wiederholt.

Lit.: Plutarch: Quaestiones Graecae („Griechische Fragen“) Nr. 12.


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3