Charcot, Jean Martin

Charcot, Jean Martin (*29.11.1825 Paris; †16.08.1893 Morvan), französischer Psychiater und Hypnotiseur.
C. studierte Medizin und begann seine medizinische Laufbahn als Anatom und Pathologe. 1862 wurde er Abteilungsleiter der Heilanstalt „Salpêtrière“, 1872 erhielt er eine Professur der pathologischen Anatomie. In der Salpêtrière, einem alten Pariser Krankenhaus, das seinerzeit zugleich Armenpflegeheim für einige tausend alte Frauen war, beobachtete er die Anfälle der Epileptikerinnen und sah, dass Hysterikerinnen diese Anfälle nachahmten. Er suchte daher nach Kriterien zur Unterscheidung von Hysterie und Epilepsie und studierte dazu ab 1878 auch die > Hypnose. Als er dann feststellte, dass es organische und hysterische Lähmungen gibt, versuchte er solche durch Hypnose hervorzurufen, was gelang. So kam er zur Ansicht, dass Hypnose nichts anderes sei als eine künstliche Hysterie.
C. bediente sich verschiedener Techniken und benutzte zur Einleitung der Hypnose vor allem den Schreck. Bei diesen Schreckszenarien fielen die Geisteskranken in Gruppen in einen hypnotischen Zustand. Dabei zeigten sich an der Grenze der Physiologie außergewöhnliche und unerklärliche Tatsachen, die nach C. keinem einzigen physiologischen Gesetz unterworfen sind, und er machte den unwiderlegbaren Ausspruch: „Es ist der Glaube, der heilt.“
C. befasste sich nun intensiv mit Hypnose, entwickelte eine Systematik und stand als Haupt der sog. „Pariser Schule“ im Gegensatz zur Schule von Nancy, die mit normalen Menschen experimentierte, während die Patienten von C. Geisteskranke waren. In diesem Zusammenhang untersuchte er auch das Phänomen der >
Besessenheit bzw. der Besessenheitsepidemien und erstellte die Bildersammlung Les Demoniaques dans l’Art (1887).
1885/86 weilte auch Sigmund > Freud an der Salpêtrière. Er baute später die Erkenntnis von C., dass unbewusste „fixe Ideen“ manchen Neurosen zugrunde liegen, weiter aus.

W.: Krankheiten des Nervensystems, insbesondere über Hysterie. Leipzig: Toeplitz & Deuticke, 1886; Die Besessenen in der Kunst. Göttingen: Steidl, 1988.


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3