Charaktere(s)

Charaktere(s) (griech. charakter, das Eingegrabene, von griech. charássein, eingraben, einritzen), ursprünglich Bezeichnung für magische > Symbole ohne unmittelbaren Mitteilungscharakter, die an sich magisch wirken (> Runen). Solche magische Symbole finden sich in > Zauberbüchern, auf > Talismanen, > Amuletten, Medaillen, Metallblättchen aus Gold, Silber, Zinn und Blei (vgl. die > Fluchtafeln).
Im Altertum wurden > Hieroglyphen, bei den Arabern > Keilschriften und in der europäischen > Magie besonders hebräische Geheimschriften, wie das Alphabet des David, benutzt.
Der Glaube, dass bestimmte Zeichen Träger magischer Kräfte sind und durch Rituale aktiviert  und verstärkt werden können, ist weit verbreitet. In den Zauberbüchern sind die Zeichen oft nur in Verbindung mit dem > magischen Quadrat zu verstehen. Die älteren C., die schon in griechischen Zauberpapyri enthalten sind, können nach ihrer Herkunft nicht gedeutet werden. Es handelt sich wohl um verstümmelte Schriftzeichen wie in der Astrologie, mit Ausnahme von  Sonne und Mond. In einem stark jüdisch gefärbten Zauber dienten die C. auch als Schutzmittel.
Die Kirche hat die verbreiteten Bräuche mit C. von Anfang an bekämpft, ohne sie jedoch ausrotten zu können. So erwähnt sie Chryrostomus (in Gal. Migne P. Gr. 61, 623), Basilius (in ps. 45. Opp. ed. Garnier, Paris 1721), Julian von Halicarnass, der ausdrücklich von auf Zinn- und Bleiplatten geritzten Zeichen spricht (in Job tract. 3), und Nicolaus von Dünckelspühel, der die „ignoti characteres“ (Panzer: Beiträge 2, 257) verbietet.
Die > Charakteromantie hat  hingegen mit diesen C. nichts zu tun, sondern betrifft die Deutung von Vorzeichen (> Prodigia).
Später wurden C. in der Psychologie, vor allem des deutschsprachigen Raumes, zur Bezeichnung der individuellen Besonderheit eines Menschen, seiner Eigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale, womit sich Charakterologie und Persönlichkeitspsychologie befassen; in einer stark an der Verhaltensforschung orientierten Psychologie ist von diesem Thema nur am Rande die Rede.
Für die > Paranormologie sind die persönlichen Besonderheiten Ausgangspunkt für die Prüfung etwaiger paranormaler Begabungen, wie deren Handhabung und persönlichen Integration. > Sensitive.

Lit.: Panzer, Friedrich: Beitrag zur deutschen Mythologie. Bd. 2. München, 1845; Schwarz-Winklhofer/Biedermann, H. (Hrsg.): Das Buch der Zeichen und Symbole. Graz: Verlag für Sammler, 1972; Wirth, Bernhard P.: Alles über Menschenkenntnis, Charakterkunde und Körpersprache: von der Kunst, mit Menschen richtig umzugehen. Heidelberg: mvgVerl., 2007.


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3