Chaosmagie

Chaosmagie (engl. chaos magic), eine okkulte Bewegung, die ihren Anfang in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre nahm und durch die beiden Bücher Liber Null und Psychonaut des Briten Peter J. > Carroll Verbreitung fand. 1978 gründete Carroll mit Ray Sherwin die magische Organisation Illuminates of Thanateros (IOT). Dabei ist das Kunstwort Thanateros eine Zusammensetzung aus griech. thánatos (Tod) und lat. eros (Liebe, Leidenschaft). Grundlage des Ordens ist die von Carroll in seinem Liber Null entwickelte C., eine Kraft, die dem Universum Struktur und Vielfältigkeit verleiht und die Entstehung des Lebens verursacht. Das geoffenbarte Universum wird als kleine Insel im unermesslichen Ozean des > Urchaos definiert.
In dieser neuen Magie werden die Techniken und Inhalte der traditionellen Rituale wie > Amulette, > Dämonenbeschwörung, > Geisterbeschwörung, > Räucherungen usw. abgelehnt und durch unkonventionelle Methoden ersetzt, die Carroll als psychologische Anarchie („Chaos“) bezeichnet, in der alles erlaubt ist, was funktioniert. Im deutschsprachigen Raum wurde die C. 1986 gegründet. Zu ihrem wichtigsten Vertreter wurde Ralf Tegtmeier (Frater V.D.), der im Orden den Namen „Fraund Neonfaust 1.309“ erhielt.
1990 kam es zwischen den beiden Gründern zum sogenannten „Ice Magick War“ und zum Schisma des IOT, da sich Tegtmeier der > Eismagie zuwandte. Sektionen des Ordens finden sich inzwischen in mehreren Ländern. Die lokalen Gruppen heißen „Tempel“ und werden von einem „Magister Templi“ geleitet. Viele der neuen Rituale sind von der > Sexualmagie geprägt. „Benutze die sexuellen Erregungsenergien, um damit Wille und Imagination zu aktivieren und zu speisen“ (Frater V.D.).

Lit.: Frater V.D.: Ausländischer Schweinkram? Unicorn 9 (1984), 84–88; Carroll, Pete: Liber Null. York Beach, Me.: Weiser, 1987; ders.: Liber Null & Psychonautik. Bad Ischl: Ed. Ananael, 2005; Mayer, Gerhard: Arkane Welten. Würzburg: Ergon Verlag, 2008.

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3