Channeling

Channeling (engl., „Kanalisierung“), Kommunikation mit transzendenten Wesenheiten.
C. hat sich in der sogenannten > New Age-Bewegung Nordamerikas und Europas der 1970er Jahre, in Anlehnung an den Begriff „Medium“ (Kanal) des > Schamanismus und > Spiritismus, zusehends als Bezeichnung der Kommunikation mit fremden Wesen etabliert. Zu diesen gehören neben Verstorbenen auch sog. „Geistführer“, > Engel, > Transplanetarier, > Ufonauten, archetypische Plastikgruppen, > Uraniden usw. Als Kanal dienen dabei medial begabte oder speziell ausgebildete Personen, die in einer körperlichen Entspannung oder im veränderten Bewusstseinszustand des > Traumes, der > Trance, der > Hypnose, des > Somnambulismus, aber auch durch den Gebrauch psychedelischer Drogen mit fremden Wesen in Kontakt treten und ihre Botschaften übermitteln.
Bekannt wurde der Begriff vor allem  durch Jane > Roberts (1929–1984), die in den Jahren von 1963 bis kurz vor ihrem Tod von Botschaften im Trancezustand von einem Wesen namens > Seth berichtet, das sich selbst als „Energiepersönlichkeitskern, der nicht mehr in der physischen Realität zentriert ist“, bezeichnete. Die Schauspielerin Shirley MacLaine (*1934) hat mit ihrem Bestseller „Tanz im Licht“, der ihr in nur fünf Wochen von ihrem höheren Selbst „diktiert“ worden sei, und mit ihren Auftritten in verschiedenen Medien ihren „Geistführer“ und die Unsterblichkeit der Seele weltweit bekannt gemacht.
Während im klassischen Spiritismus der > Kontakt mit Verstorbenen im Vordergrund steht, geht es beim C. auch um die Kommunikation mit höheren Geistern, Geistlehrern und geistigen Meistern, Kapitänen intergalaktischer UFO-Flotten, nicht inkarnierten Bewohnern höherer Sphären, mit Bewohnern von >
Atlantis und anderen verschollenen Regionen, die in sogenannten Durchsagen Weisheiten verkünden. Diese Durchsagen werden meist als  wichtige, oft erbauliche, warnende oder ethisch-philosophische Belehrungen vorgestellt.
Was ihre Beurteilung betrifft, so ist die Rede von Schöpfungen des kollektiven Unbewussten,  von Selbsthypnose, von Teilpersönlichkeit und vom kollektiven Bewusstsein.
All diesen Beurteilungen muss jedoch die Feststellung vorausgehen, ob es sich um spontane Botschaften in einem veränderten Bewusstseinszustand handelt oder lediglich um marktgerechte Darstellungen einzelner Autoren.
Dieser allgemeine Zugang zur Transzendenz, der keine individuellen Anforderungen mehr stellt, wird auch als Ersatz von Religion gedeutet, da allen alles offen sei. > Tod und > Fortleben nach dem Tode stehen allerdings nicht zur freien Disposition.

Lit.: Klimo, Jon: Channeling. Freiburg i. Br.: Bauer, 1988; MacLaine, Shirley: Tanz im Licht. München: Goldmann, 1990; Roberts, Jane: Gespräche mit Seth. München: Goldmann, 2001; Schumacher, Irene: Channeling-Lehrbuch. Neckenmarkt: Ed. Nove, 2009.


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3