Chagall, Marc

Chagall, Marc (* 7.07.1887 Liosno bei Witebsk, Weißrussland; † 28.03.1985 Saint Paul-de-Vence, Frankreich), russisch-jüdischer Maler und Grafiker.
Als Sohn jüdischer Eltern besuchte Ch. wegen seines Stotterns die Grundschule nur unregelmäßig, erhielt aber von seinem Vater Musikunterricht und wurde trotz seiner lückenhaften Schulausbildung in die Kunstschule von Witebsk aufgenommen. 1907 zog er nach Petersburg und studierte dort an der kaiserlichen Kunstakademie, wo er mit französischen Malern bekannt wurde. In dieser Zeit entstand sein erstes Hauptwerk, „Der Tote“. Von 1910 bis 1914 weilte Ch. in Paris; bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges kehrte er nach Russland zurück. In den Jahren 1931 und 1937 reiste er nach Syrien, Ägypten, Palästina, Polen, Spanien, Italien und in die Niederlande, um sich auf eine große Auftragsarbeit – die Bibelillustration – vorzubereiten, die sein bekanntestes Werk werden sollte. 1937 wurde er französischer Staatsbürger.
Der Aufenthalt in den USA und seine vielfältigen künstlerischen Arbeiten festigten seinen Ruf in Europa und den USA als einer der führenden Künstler der Avantgarde. 1949 ließ er sich endgültig in Saint-Paul-de-Vence nieder.
Sein künstlerisches Schaffen ist in Formgebung und Farbausdruck von der französischen Kunst beeinflusst, bleibt aber in seiner Thematik der Welt des >
Chassidismus und des russischen Märchens verhaftet. Eine Reise nach Griechenland führte ihn zu Motiven aus der griechischen Mythologie, die er in seinen späteren Werken verwendete.
Sein gesamtes künstlerischer Schaffen ist im Letzten Ausdruck der individuellen Gefühle und Erlebnisse in Verbindung mit der kosmischen Weite, was besonders auch in folgenden öffentlichkeitswirksamen Arbeiten zum Ausdruck kommt: Glasfenster der Kathedrale von Metz (1958 bis 1968), Wandgemälde für das Frankfurter Stadttheater (1959), Glasfenster der Synagoge der Hadassah-Klinik im israelischen Ein-Karem (1962), Deckengemälde für die Pariser Oper (1964), zwei Wandgemälde für die Metropolitan Opera in New York (1966), Glasfenster für das Fraumünster in Zürich (zwischen 1969 und 1970), Glasfenster für die Kathedrale von Reims (1972) und den Mainzer Dom (1978 und 1984).
Im Jahr 1973 wurde das „Musée National Message Biblique Marc Chagall“ als einziges Nationalmuseum in Frankreich zu Ehren eines lebenden Künstlers in Nizza eröffnet.
Alle seine Werke sind von einer tiefen Symbolik archetypischen Inhalts, allegorischer Aussage und kosmischer Erfahrung erfüllt.

Lit.: Meyer, Franz: Marc Chagall: Leben u. Werk. Köln: DuMont Schauberg, 1961; Melcher, Ralph: Marc Chagall. Heidelberg, Neckar: Kehrer, 2010; Krause, Barbara: Marc Chagall – die Farben des verlorenen Paradieses. Freiburg i. Br.: Herder, 2010.


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3