Ceridwen

Ceridwen (engl., „die bucklige Frau“), Naturgöttin, Todesgöttin und, nach der Seelenwanderungslehre der > Druiden, Göttin der Lebenserneuerung. C. war mit Tegid Voel vermählt, dessen väterliches Land mitten im See Tegid lag. Sie hatte drei Kinder, den Sohn Morvran, die Tochter Creirvym, das schönste Mädchen der Welt, und den Sohn Avaggdu, das hässlichste aller Wesen. C. besaß großer Zauberkräfte und braute in ihrem magischen Kessel für ihren hässlichen Sohn den Trank der Erkenntnis. Dieser Trank musste ein Jahr lang kochen, dabei sollte ihn der Knabe Gwion bewachen, ohne jemals davon zu trinken. Als eines Tages einige Tropfen von dem Trank auf seinen Finger spritzten, leckte er diesen ab und erlangte dadurch großes Wissen und Erkenntnis. C. verfolgte nun den jungen Frevler. Dieser verwandelte sich in verschiedene Gestalten, zuletzt in ein Weizenkorn, das C., mittlerweile in ein Huhn verwandelt, aufpickte. Sie wurde davon schwanger und als nach neun Monaten ein Sohn zur Welt kam, vermochte sie ihn seiner Schönheit wegen nicht zu töten, sondern setzte ihn in einem Schiffchen auf dem Meer aus, wo man ihn fand und nach Hause brachte. Dort bekam er den Namen Taliesin (strahlende Stirn). Mit Erstaunen entdeckte man, dass er aller > Weisheit voll war und die höchsten göttlichen Offenbarungen aussprach.
Der Kessel der C. wurde unter dem Stand der Barden im alten Britannien zum Symbol eines besonderen Ordens, des Kesselordens. Der Volksaberglaube machte ihn zum Hexenkessel.

Lit.: Holzapfel, Otto: Lexikon der abendländischen Mythologie. Freiburg: Herder, 2002.


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3