Cerastes

Cerastes (Hornschlange), > Schlange mit neun oder acht Hörnern auf dem Kopf, die denen des Widders ähneln. C. pflegt sich unter der Erde zu verstecken, lässt die Hörner aber aus der Erde ragen, um Sperlinge oder andere Vögel, die sich daraufsetzen, zu verschlingen. Die Schlange kann sich zudem leichter biegen und schlingen als andere Schlangen, weil ihr alles fehlt, was sie in ihrer Bewegung hemmen könnte. Legt man ein Horn der C. auf den Esstisch, so schwitzt es, wenn eine vergiftete Speise aufgetragen wird. Aus den Hörnern werden auch Messerhefte gemacht. Ein solches legte man früher der Tafel des Kaisers bei, um aus seinem Schwitzen zu ersehen, ob Speisen oder Getränke vergiftet waren.
Das astrologische Symbol von > Merkur zeigt auf alten Bildern dessen magischen Stab, der von zwei gehörnten Schlangen umkreist wird, deren Leiber auseinanderstreben, deren Schwänze aber verknüpft und deren Köpfe wiederum einander zugewandt sind – was die entgegengesetzten Kräfte symbolisieren soll, die sich scheinbar bekämpfen, die es aber braucht, damit alles entstehen und bestehen kann.
Bei den > Kelten ist die gehörnte Schlange ein Fruchtbarkeitssymbol. 
Die heutige C., Cerastes cerastes (Wüsten-Hornviper) genannt, ist eine Schlangenart aus der Gattung der Afrikanischen Hornvipern, die in Nordafrika, Israel und auf der arabischen Halbinsel lebt und eine Körperlänge von 50–80 cm aufweisen kann. Namengebend sind die aus jeweils einer Schuppe bestehenden Hörnchen oberhalb der Augen. Fühlt sich das Tier bedroht, erzeugt es durch Aneinanderreiben der Schuppen ein rasselndes Geräusch, das als Warnung gelten soll. Die bevorzugte Nahrung sind kleine Wirbeltiere, wie Vögel, Echsen und Nagetiere, aber auch Insekten. Der Biss von C. kann tödlich verlaufen.

Lit.: Schöpf, Hans: Fabeltiere. Graz: ADEVA, 1988; Gruber, Ulrich: Die Schlangen Europas. Stuttgart: Franckh'sche Verlagsbuchhandlung, 1989.


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3