Cassinis, Samuel de

Cassinis, Samuel de (15./16. Jh.), Franziskaner, Philosoph und Theologe in Mailand. C. gehörte zu jenen katholischen Theologen, die sich zu Beginn des 16. Jh. ganz entschieden gegen die Echtheit all jener Taten wandten, deren man die > Hexen anklagte, und die sogar der Meinung waren, dass die Inquisitoren mit ihren Anklagen schwer sündigten. In seinem kleinen 1505 in Mailand erschienenen Werk De lamiis, quas strigas vocant (Über die Lamien, welche sie Strigen nennen) wendet er sich gegen die Vorstellung des > Hexenfluges. Da der menschliche Körper zum Fliegen völlig ungeeignet sei, müsste Gott zu dessen Verwirklichung die Naturgesetze aufheben, also ein > Wunder bewirken. Dies könne aber nur geschehen, wenn es einem bestimmten Zweck diene, wie etwa bei der Entführung Jesu durch den Teufel. Gott erlaube jedoch niemals, dass die Naturgesetze aufgehoben würden, nur damit sich die Hexen mit dem Satan auf dem > Hexensabbat treffen könnten, um schwere Sünden zu begehen. Wenn man daher Frauen als Hexen anklagt, weil ihnen der Flug zum Sabbat vorgeworfen wird, sei dies eine schwere Sünde, bei der sich die Ankläger der Ketzerei schuldig machten. Diese Aussagen veranlassten den Dominikaner Vicente Dodo aus Pavia zu einer Erwiderung in Verteidigung des Standpunktes der > Inquisition. > Lamien; > Strigen.

Lit.: Cassinis, Samuel de: De lamiis, quas strigas vocant. Mailand, 1505.


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3