Caspareck, Michael

Caspareck, auch Kaspareck, Michael († 28.02.1718), Gespenst von Lublau (Stará Ľubovňa (dt.: Lublau / Altlublau, ungarisch Ólubló, heute eine Stadt mit zirka 15.000 Einwohnern in der Nordostslowakei, damals in Ober-Ungarn).
In einem Schreiben vom Juli 1718 aus Lublau wird folgende unheimliche Geschichte berichtet:
Der Geldeinheber Michael C. starb am 28. Februar 1718 und wurde daselbst feierlich begraben. Da er die Menschen aber auch nach seinem Tode noch des Öfteren erschreckt haben soll, wurde er am 26. April exhumiert. Man entnahm der Leiche das Herz, vergrub es und verbrannte die Leiche. Damit war dem Spuk jedoch kein Ende gesetzt. C. kam nach wie vor zu den Leuten, sprach sie an, aß und trank mit ihnen. Bei einem Hochzeitsmahl verlangte er ein Fischgericht. Als man erschrocken die Türe verschloss, kam er zu Pferd, klopfte an die Tür und drohte mit Vergeltung. Man ließ ihn ein. Er aß und trank und ritt zu Pferde wieder fort. Zudem soll er mehrere Frauen geschwängert haben. Dann trat drei Wochen Ruhe ein, weil er in Warschau und im übrigen Polen herumgezogen sei, um Schulden einzufordern und Geld aufzunehmen, mit dem er danach seine Gläubiger in Lublau großzügig bezahlte. C. verbrannte auch Häuser, am 13. Juni bis zu 30, die von niemandem gelöscht werden konnten, sodass die Leute aus Furcht ihre Holzbauten verließen.
Auf die Frage, warum er nicht dort bleibe, wohin ihn Gott bestimmt habe, antwortete er, die Teufel wollten ihn in der Hölle nicht dulden, Gott wolle ihn nicht in den Himmel hineinlassen, und da man nicht sein Herz, sondern ein fremdes verbrannt habe, müsse er sieben Jahre in der Welt herumirren.
Der Bericht erschien im Europäischen Niemand, S. XI, auch in lateinischer Sprache, ohne Angabe des Verfassers. 1890 reich­ten die "Ethnologischen Mitteilungen aus Ungarn" eine Untersuchung nach, der zufolge es sich um den Fall eines Blutsaugers handelte. Laut Bericht war dieser ein Grabgespenst des 18. Jh. Dabei dürfte der Geldeinheber die Menschen schon zu Lebzeiten erschreckt haben, sodass man ihm die Grabesruhe nicht zutraute. Inwieweit hinter der Erzählung eine derartige Implikation einer echten Volksangst steckt oder alles nur eine Erfindung des Autors ist, muss offen bleiben.

Lit.: Horst, Georg Conrad: Zauber-Bibliothek. Nachdr. d. sechsbänd. Ausg. Mainz, 1821–1826. Freiburg i. Br.: Aurum Verlag, 1979.

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Lexikon der Paranormologie, Bd. 3