Casaubon(us), Méric

Casaubon(us), Méric (*14.08.1599 Genf; † 14.07.1671 Ickham, Canterbury), Oxforder Theologe, Pfründner der Kathedrale von Canterbury, Herausgeber der Schriften von John > Dee.
C. war der Sohn des protestantischen Gelehrten und Polemikers Isaac Casaubon und seiner Frau Florence (geb. Etienne). Er verbrachte seine frühe Jugend in Paris und übersiedelte 1610 mit der Familie nach London. 1628 wurde er Pfründner der Kathedrale von Canterbury und 1636 promovierte er an der Universität Oxford zum Doktor der Theologie. Während des Englischen Bürgerkrieges (1640–1651) wurde er aus seinen Ämtern vertrieben. Nach der Restauration der Monarchie im Jahr 1660 kehrte er nach Canterbury zurück.
In seiner Apologetik kämpfte C. gegen den blinden Gehorsam der katholischen Kirche, die Wildheit des revolutionären Protestantismus und den vernunftlosen Aberglauben. Sympathie und Bewunderung hegte er hingegen für die griechische und römische Philosophie, wie seine Übersetzungen der Schriften Marc Aurels (1634), des Hierokles von Alexandria (1654) und Epiktets (1659) dokumentieren.
Seine vier Werke „Abhandlung über den Gebrauch und die Gewohnheit“ (A Treatise on Use and Custom, London 1638), „Traktat über den Fanatismus“ (A Treatise concerning Enthusiasme, London 1655), „Über die Glaub- und Unglaubwürdigkeit aller natürlichen, staatlichen und göttlichen Gegenstände“ (Off Credulity and Incredulity in Things Naturall, Civill and Divine, London 1668) und „Über die Glaub- und Unglaubwürdigkeit der göttlichen und spirituellen Gegenstände“ (Off Credulity and Incredulity in Things Divine and Spirituall, London 1670) kreisen um das Thema Glaube und Irrglaube.
In einer Welt, in der fest an die Existenz der Engel Gottes und der Teufel Satans geglaubt werde, sei es besonders wichtig auf der einen Seite zuverlässig zwischen vorgetäuschter Inspiration, respektiver Illusion sowie wahrem Eifer und wahrer Frömmigkeit, zwischen echten Wundern und lediglich ungewöhnlichen Naturereignissen zu unterscheiden, auf der anderen Seite zwischen wahren diabolischen Handlungen (der Täuschung schwacher Seelen) und > Ekstase, Wahnsinn oder Kriminalität. Sonst würde nämlich der Atheismus durch die Ablehnung jedes spirituellen Wesens Auftrieb erhalten oder der Aberglaube und die Ignoranz würden dadurch hoffähig werden, dass in allem und jedem übernatürliche Einflüsse gesehen würden.
Daher bezeichnet C. in der Einleitung des von ihm auf Bitten von Freunden herausgegebenen spirituellen Tagebuchs von John Dee, A true and Faithful Relation of what Passed for Many Years Between Dr. John Dee und Some Spirits, das ein wichtiges paranormologisches Quellenwerk darstellt, Dee als irregeleiteten Mann und bezichtigt ihn der Zauberei und des leeren Geschwätzes, was die völlige Diskreditierung Dees bewirkte. Erst vor wenigen Jahrzehnten ist es gelungen, Dee zu rehabilitieren und seine befremdlichen Gespräche mit Engeln und anderen Wesen als psychische Automatismen zu verstehen.

W.: Of credulity and incredulity in things divine and spiritual: wherein (among other things) a true and faithful account is given of the Platonick philosophy, as it hath reference to Christianity. London, 1670; A Treatise Proving Spirits, Witches, and Supernatural Operations, by Pregnant Instances and Evidences. London, 1672; (Hg.), A True & Faithful Relation of what passed for many years between Dr. John Dee ... and Some Spirits. London, 1659.

Lit.: Harkness, Deborah E.: John Dee’s Conversations with Angels. Cambridge, UK, 1999.


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3