Casanova, Giacomo Girolamo

Casanova, Giacomo Girolamo (*2.04.1725 Venedig; † 4.06.1798 Dux, Böhmen), selbst geadelt als Chevalier de Seingalt, Freimaurer und Sinnbild des Verführers.
Sohn der Schauspielerin Giovanna Farussi, genannt “Zanetta”; sein mutmaßlicher Vater war der Schauspieler Gaetano Casanova. Da seine Mutter viel auf Reisen war, wurde C. von seiner Großmutter erzogen, die ihn auf die Universität nach Padua schickte, wo er bereits mit 17 Jahren das Doktorat in weltlichem und kirchlichem Recht erwarb. Von der Großmutter zu einer kirchlichen Laufbahn als Priester angeregt, entzog er sich dieser Laufbahn nach den niederen Weihen und reiste 1742 nach Konstantinopel. Nach der Rückkehr wurde er wegen Erbschaftsstreitigkeiten das erste Mal inhaftiert. Dann reiste er nach Rom, wo ihm Papst Benedikt XIV. aufgrund amüsanter Plaudereien erlaubte, verbotene Bücher zu lesen, und ihn zum „Ritter des goldenen Sporns“ ernannte, woraus C. das Recht ableitete, sich Chevalier nennen zu lassen. Wegen einer Liebesaffäre musste er Rom schließlich verlassen. Er wurde venezianischer Fähnrich und verdiente sich seinen Lebensunterhalt u.a. als Orchestergeiger. 1775 wurde er wegen angeblicher „Schmähung der Religion“ verhaftet, entfloh aber den Bleikammern Venedigs unter Verwendung eines Orakels aus dem Buch L’Orlando Furioso; eigentlich gelang ihm die Flucht aber wohl durch Bestechung eines Wächters. C. schrieb darüber ein Buch.
In den folgenden Jahren reiste C. durch ganz Europa, wo er in den diversen adeligen Salons ein willkommener Gast war. In Frankreich war er 1757 Mitbegründer der Nationallotterie. 1760 besuchte er Voltaire in Genf und nannte sich von da an auch „Chevalier de Seingalt“. Im gleichen Jahr traf er in Rom Papst Clemens XIII. In England verliebte er sich unsterblich, ohne jedoch sein Ziel zu erreichen, was ihn fast in den Selbstmord trieb. 1764 kam er schließlich nach Sanssoucie, wo er Friedrich den Großen um eine Anstellung bat, die Stelle eines Lehrmeisters aber ablehnte. In Sankt Petersburg traf er 1765 zweimal mit Katharina der Großen zusammen. In Polen duellierte er sich 1766 auf Pistolen mit dem Grafen Branicki. Beide wurden schwer verletzt. C. musste Polen verlassen, bald darauf auch Frankreich und Spanien. So kehrte er 1769 nach Italien und 1772 nach Venedig zurück, wo er u.a. Theaterdirektor war. Ab 1776 fungierte er als Geheimagent der venezianischen Staatsinquisition. 1785 wurde er schließlich Bibliothekar des böhmischen Grafen Waldstein auf Schloss Dux, wo er spätestens 1790 mit der Niederschrift seiner Memoiren begann und auch starb.
C. war nie verheiratet, hatte jedoch eine unbestimmte Anzahl eigener Kinder, von denen er nur teilweise Kenntnis erhielt. Er war überaus begabt, fand aber in seiner Unstetigkeit auf der ewigen Suche nach fraulicher bzw. mütterlicher Geborgenheit nie das ersehnte Zuhause. Er wollte das Ganze und scheiterte am Stückhaften, vor allem in der Liebe.

W. (Auswahl): Mein Leben. Berlin: Ullstein, 2006; Erinnerungen. Neu-Isenburg: Melzer Verlag, 2006. Meine Flucht aus den Bleikammern von Venedig. Ebenhausen bei München: Langewiesche-Brandt, 2007.


   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 3